Generalistik? JA!

Ja! Ich bin absolut für die generalistische Ausbildung von Pflegekräften. Und das sage ich als Altenpflegerin.

Im Gegensatz zu den pflegenden Kräften in Krankenhäusern verlassen uns die Kunden nicht mehr lebend. Wir begleiten die Menschen in ihrer letzten Phase ihres Lebens. Wenn wir die Zeit dafür haben und uns diese gelassen wird, ohne dass andere Kollegen mit Mehrarbeit belastet werden.

Ich fordere deshalb bewusst ein Bildungsniveau, das aufgrund der unterschiedlichen Bildungssystemen und ihren Reformen in  unseren Bundesländern nicht unbedingt gewährleistet ist, mindestens einen Abschluss auf dem Niveau eines Fachabiturs hat.

Weshalb dieser Abschluss für uns und künftige Altenpfleger nur von Vorteil sein wird, werde ich versuchen zu erläutern.

  1. Höherer Bildungsgrad begründet ein besseres Berufsimage
  2. Höherer Bildungsgrad begründet eine bessere Bezahlung
  3. Über die Generalisierung des Berufsbildes besteht ein breiteres „Ausweichspektrum“ in andere Berufe mit Aufstiegschancen
  4. Einrichtungen mit schlechten und unzumutbaren Arbeitsbedingungen werden ausbluten, da das Personal sich besser bewerben kann.

Da diese Generalisierung die nachfolgenden „Pflegegenerationen“ betreffen wird, sollte parallel, auch unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens, das derzeitige Personal, besonders in der Altenpflege, nachgeschult bzw. nachgebildet werden.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass gerade meine Forderung nach einem höheren Schulabschluss  als Zugangsvoraussetzung zum Pflegeberuf, ein Streitthema ist und sein wird. Nur – ich spreche hier aus eigener Erfahrung:

Es war kein Einzelfall, aber in der Schule saßen gebürtige Deutsche, die beispielsweise mit Namen wie Adenauer oder Genscher so gut wie nichts anzufangen wussten. Die von unserer jüngeren Geschichte nur einige Namen und wenige Geschehnisse kannten, dafür aber diverse Pornvideos untereinander teilten. Diese Personen sollten in wenigen Monaten auf pflegebedürftige Menschen losgelassen werden? Mit dementiell veränderten Menschen einen Trip in die Vergangenheit machen, um so an die Persönlichkeit heran zu kommen?

Es mag sein, dass diese Schüler einen guten Zugang zu Menschen haben, aber es ist für mich fraglich, ob sie auch in der Lage sein werden, gute Pflegeplanungen zu schreiben bzw. sich mit Therapeuten, Ärzten und Angehörigen fachlich gut auszutauschen. Mein Eindruck war, dass sie diese Ausbildung machten, um nur einen Abschluss zu haben. Und das darf nicht sein.

So, jetzt habe ich mich sehr ausgiebig über meinen Anspruch an das Bildungsniveau ausgelassen. Die anderen Punkte oben, denke ich, brauchen keine weitere Erklärung, da sie sich daraus selbsterklärend ableiten lassen.

Und jetzt freue ich  mich über eine rege Diskussion, hier oder auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

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Ein Kommentar zu „Generalistik? JA!

  1. Hallo Frau Sofa, bin im Ganzen da bei dir. Dann wird auch die Altenpflege besser bezahlt, Generalistik ist wichtig und gut. Europaweit arbeiten zu können ist für unsere jungen Leute sehr wichtig, wenn wir bei einem vereinigten Europa bleiben. Und ja schlechte Arbeitgeber in der Altenpflege werden ausgeblutet. Leider haben die kirchlichen Träger in der hohen Politik zu viel zu sagen und mit zu bestimmen. Deshalb ist nur eine Generalistik light beschlossen worden. Wo kommen wir denn hin, wenn die Sklaven in der Pflege besser ausgebildet sind und bessere Bezahlung erwarten. -Ironie off- 🙂

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