Vorweg

Im Augenblick bin ich etwas sprachlos. Deshalb schreibe ich auch.

Nun bin ich schon eine Stunde zu hause, nach einem verhältnismäßig angenehmen Spätdienst in einer kommunalen Senioreneinrichtung in #Hosenbüttel.

Klar, Hosenbüttel ist nicht der wirkliche Name des Ortes, an dem ich zur Zeit tätig bin. Da ich aber früher unter meinem Klarnamen geschrieben hatte, was mir beruflich nicht besonders gut tat, erlaube ich mir, jetzt anonym und „undercover“ meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Als ich vor 15 Jahren meinen Blog betrieb, war ich arbeitssuchend. Hatte ich eine Bewerbung rausgeschickt, konnte ich anhand der Logfiles schnell feststellen, dass sich das Unternehmen im Internet über mich erkundigte. Da ich nun mal sehr kritisch und freidenkerisch war und noch bin, bekam ich direkt Absagen. Nun könnte man sagen, dass das eine pure Einbildung gewesen war, aber anhand der Logs konnte ich sehen, welche Beiträge gelesen wurden. Und die Verweildauern waren länger als ein „nur durchklicken“.

Okay, nun kurz zu mir: ich bin Frau Sofa, zwischen 40 und 70 Jahre alt, Autofahrerin und Tierhalterin. Ich lebe in #Kratzkirchen, einem kleinen Ort, der gerne Stadt anstelle der Stadt wäre. Ich bin Single und arbeite als examinierte Altenpflegerin bewusst für ein Zeitarbeitsunternehmen, um mir so die Pflege- und Arbeitsbedingungen in den unterschiedlichen Einrichtungen hier vor Ort anzusehen. Und das, was ich manchmal erlebe, ist heftig. Mehr als heftig. Eigentlich so heftig, dass ich mir manchmal ernsthaft überlege, ob ich nicht entweder die Heimaufsicht oder aber die Berufsgenossenschaft informiere, über die Zustände, die ich erlebe.

Und hier ist für mich der Vorteil, den ich in der Zeitarbeit sehe: gefällt mir aus begründbaren Gründen ein #Altenheim oder #Seniorenheim nicht, dann kann ich meinen Arbeitgeber bitten, mich da sofort abzuziehen. Was dieser dann auch so macht.

Derzeitig habe ich meine regelmäßigen Einsätze in vier Senioreneinrichtungen in #Hosenbüttel, einer kleinen Provinzstadt, die mal groß war. Hier kennt beinahe  jeder Jeden, man grüßt sich auf der Straße und geht geruhsam seiner Arbeit nach. Die Straßen sind marode, und die Stadt ist halt eine Ansammlung verschiedener Dörfer.

Die Einrichtung, in der ich im hohen Alter meiner Ausbildung zur Fachkraft machte, wurde von der Heimaufsicht geschlossen. Zu Recht, wie ich immer noch finde. Dennoch bin ich traurig, dass es das Heim nicht  mehr gibt. Aber da durfte ich zweimal erleben, wie Investoren als Heuschrecken verkleidet, sich über das Heim hermachten, die Angestellten durch niedrige Löhne ausbeuteten, und dann das Haus in Schutt und Asche legten.

Ich hege keinen Groll gegen den Pflegedienstleiter und den Einrichtungsleiter. Denn die beiden versuchten, das Böse von uns fern zu halten. Aber irgendwann wurden dann aufgrund Kostenersparnis Fachkräfte eingestellt, die aus anderen Ländern kamen und kaum richtig unsere Sprache sprachen, geschweige denn, die Pflegeplanungen und Medikamentenpläne lesen konnten.

In der Einrichtung hatte ich soviel Horror erlebt. Wie z.B. die „Hausdame“, die uns dafür tadelte, dass wir soviele Handtücher und Waschlappen verbrauchen würden. Sie sagte zu mir, dass, wenn wir nicht endlich anfangen würden, kostenbewusst zu pflegen, wir vom Betreiber nur noch zwei Waschlappen und Handtücher pro Woche für jeden Bewohner zugeteilt bekämen.

Und das in einer Einrichtung, in der M. Pick, M. Parkinson, M. Korsakow, Schizophrenie, Alzheimer, vaskuläre Demenz und ihre Geschwister, Tablettenabusus und Co. uns täglich über den Weg liefen.

Und es gab deshalb Tage, an denen ich weinend vor Wut, Verzweiflung und Erschöpfung auf dem Boden saß und nicht mehr weiter wusste.

Irgendwann werde ich wohl auch in diese Situation  kommen, Hilfe zu benötigen. Und ich will nicht so versorgt werden, wie viele Alte heute hier in Deutschland. Und ich will auch nicht mehr lange so weiter pflegen müssen, wie zur Zeit, nur weil die Politik das Thema „Pflege“ mal wieder auf ihrer Agenda hat. Weil Bundestagswahlen anstehen. Dagegen wehre ich mich, ich rebelliere!

In diesem Blog werde ich meinen Gedanken zur aktuellen Lage freien Lauf lassen. Und ich werde mich an die Nettiquette halten  und keine Klarnamen der Einrichtungen und eventuellen argen Kollegen nennen. Sie sind aber real und nicht erfunden.

Und nun werde ich etwas recherchieren. Denn das Internet vergisst nie!

Wir lesen uns. Hier oder da. Und Ihr dürft gerne kommentieren, ob hier im Blog oder auf Twitter. Streiten ist auch erlaubt. 🙂

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

 

 

 

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