Eingenordet!

Eine Bewohnerin heute zu  mir: „Du kleine dreckige Altenpflegerin! Du hast das zu tun, was ich sage. Und jeden meiner Wünsche zu erfüllen! Ich zahle dafür!“

Da war ich wieder glücklich, endlich mal wieder eingenordet worden zu sein. Gut, ich wagte einen kleinen Protest, schlug ihr vor, sie so nackig wie sie im Augenblick vor mir sitzt, so sitze zu lassen und den Raum zu verlassen… – was ich natürlich  nicht tat.

Ganz ehrlich? Mir fehlen solche Ansagen. Echt! Wie die Frage eines Bekannten nach einem Spätdienst: „Na, warst du wieder Scheiße wegwischen?“ Wirklich, über solche Äußerungen freut sich jede Altenpflegerin. Denn nur so weiß sie, wie man in der Gesellschaft über ihren Job wirklich denkt.

Klar, man zollt uns verbalen Respekt so nach dem Motto: „Ihren Job könnte ich nicht  machen.“, nachdem wir den sich mit Kot eingeschmierten Vater wieder sauber gemacht hatten.

Oder: „Ich weiß nicht, woher Sie immer Ihre Freundlichkeit bzw. den Gleichmut nehmen. Diese Kraft kann ich nicht aufbringen.“, nachdem wir verwirrte Bewohner validierend und auch mit Körpersprache aus einer kritischen Situation entfernt hatten.

Ja, wir bekommen den Respekt gezollt, den uns die Politik immer wieder zuteilt. Achtet mal darauf: Wird über „Pflege“ berichtet, finden sich oft Bilder von lachenden Senioren in Begleitung junger hübscher Menschen. Nur handeln die Berichte immer und immer wieder über die Zustände in Krankenhäusern. Verständlich: denn  Krankenhäuser stellen den Menschen wieder her, damit er weiterhin für die Gesellschaft nützlich sein wird. Bei uns in der Altenpflege hingegen? Bei uns sterben die multimorbiden Menschen an Alterschwäche, die keinen volkswirtschaftlichen Wert mehr haben.

Und deshalb freute ich mich, als ich heute als „kleine dreckige Altenpflegerin“ bezeichnet wurde. Denn das spiegelt gesellschaftlich genau das wieder, was die Politik von der Altenpflege hält!

Dass ich heute aber im Dienst eine sterbende Bewohnerin palliativ versorgte, mit den Angehörigen sprach, ihnen zeigte, wie man der Sterbenden etwas Flüssigkeit zukommen lassen kann, wie man ihr eine gewisse Erleichterung verschaffen kann, immer wissend, dass ich eventuell Morphium als Bedarf spritzen darf, was sicherlich den Sterbeprozess beschleunigt, ich meine Gruppe dennoch versorgte, mit der erforderlichen Respekt. Freundlichkeit und Zuneigung, die jedem zusteht, mit dem einen oder anderen Gespräch über das hier und jetzt oder das Vergangene…. und ich mit den damit verbundenen Gefühlen und Gedanken alleine umgehen muss, weil Supervision in der Altenpflege gar nicht angedacht ist… Ja, ich bin eine „kleine dreckige Altenpflegerin“, die ihren Job macht.

Denkt bitte einmal darüber nach, ob Ihr nicht auch hin und wieder ähnlich über uns denkt. Eure Gedanken dazu könnt Ihr gerne hier oder auf Twitter mir zukommen lassen.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

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