Feiertage – ein Rant!

Wer von Euch kennt diese Situationen nicht. Es nahen Feiertage, die die Bewohner früher im Kreis ihrer Familien verbrachten. Ostern, ein Fest, an dem Eltern oder Großeltern für die Kleinen Ostereier versteckten. Ostern, ein Fest, mit leckerem Essen und ausgedehnten Spaziergängen.

Und nun leben die meisten dieser Menschen in Pflegeeinrichtungen, aus denen sie nur noch selten heraus kommen. Bei Bettlägrigen eine logische Tatsache. Aber für die Menschen in Rollstühlen oder aber am Rollator kaum nachvollziehbar.

Es naht das Fest, und die Betreuungsassistenten basteln mit den Bewohnern aus Buntpapier Osterhasen und Ostereier für die Fenster und die Bewohnertüren. Schon allein durch dieses Basteln, das u.a. die Fingerfertigkeit erhalten soll, bereitet diese Menschen auf die Feierlichkeiten vor und ruft oftmals die Erinnerung an das Früher hervor. Nur – inzwischen haben sich ihre nahen Angehörigen in ihrem Leben anders ausgerichtet.

Wer Glück hat, bekommt kurz Besuch von der Familie, der ein Osterei und/ oder ein vom Kleinkind selbst gemaltes Bild für die Oma dabei hat. Oder der Besuch springt am Wochenende vor Ostern schnell  mal vorbei. Auf mich wirken einige dieser Besuche wie der Versuch, schnell eine lästige familiäre Verpflichtung zu erfüllen, um dann das eigene Leben weiter zu führen.

Wir Pflegekräfte stellen in solchen Situationen oft fest, dass sich bei einigen Senioren so etwas wie Traurigkeit breit macht. Sie wenden sich nach innen und wirken irgendwie abwesend. Und es ist dann unsere Aufgabe, diese Gefühle aufzufangen und die Menschen zu trösten. Nun muss man aber wissen, dass an Feiertagen nicht soviel Personal geplant ist, wie an normalen Werktagen. Selbst der Soziale Dienst (den ich zu einem späteren Zeitpunkt noch behandeln werde) ist nur in Minimalbesetzung anwesend. Unsere psychische Belastung an solchen Tagen ist deshalb etwas höher als sonst. Und wir dürfen uns das  nicht anmerken lassen, das gehört zu unserer Professionalität. Jeder Bewohner will und muss individuell behandelt werden, was wir vorher beim anderen Bewohner erlebt haben, darf jetzt keine Rolle mehr spielen. Das Lächeln wird also wieder aufgesetzt.

Ich habe in meiner Laufbahn freilich auch genau das Gegenteil erlebt, allerdings leider nur selten. Familien, die ihre Angehörigen über die Feiertage nach Hause holen, um ihnen so wieder die Möglichkeit zu geben, in der Familie das Fest zu feiern. Diese Menschen wirken nach ihrer Rückkehr fröhlicher, denn sie haben etwas zu erzählen. Sie wirken entspannt und ausgeruht, auch wenn der Besuch für sie anstrengend war.

Es ist nicht nur zu Ostern so, sondern besonders auch zu Weihnachten. Nur, das Glück, für einige Tage zurück in die Familie geholt zu werden, haben hochgerechnet nur etwa 1% der Bewohner. Eine für mich äußerst bedenkliche Entwicklung in unserer Gesellschaft.

Als ob die Senioren, egal wie viele Krankheiten sie haben mögen, ihre Kinder nicht gewickelt, ihnen Essen angereicht haben und dennoch glücklich waren. Meist dann, wenn sich ein Strahlen im Gesicht des Kindes breit machte. Nun scheinen aber diese groß gewordenen erwachsenen Kinder diesen Punkt vergessen zu haben. Urlaub und Erholung ist wichtiger. Schade eigentlich.

Wie ist es bei Euch in den Senioreneinrichtungen? Werden Eure Bewohner über die Festtage von den Familienangehörigen abgeholt? Und wenn ja, nur für eine Stunde oder übers Wochenende? Wie geht Ihr mit Euren Gefühlen in solchen Situationen um? Sprecht Ihr im Team darüber?

Lasst mich das bitte wissen, entweder hier als Kommentar oder aber auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

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