Ich unke jetzt mal heftig: es wird deftig!

Dank des Pflegestärkungsgesetz II, das am 1.1.17 in Kraft getreten ist, werden wir Pflegekräfte spätestens ab dem 1.1.19, wenn der Bestandsschutz weg fällt, noch heftigeren Arbeitsbedingungen ausgesetzt sein. Das ist  mein Unken. Und diese Vision macht mir wirklich Angst.

Aber alles der Reihe nach. Und ich atme jetzt ganz tief durch, während ich meine Finger auf die Tastatur lege.

Wie wir alle inzwischen wissen, wurden die alten Pflegestufen (PS) in Pflegegrade (PG) umgewandelt. Auch die Bewertung seitens der Pflegekasse wurden geändert. Während früher der Hilfebedarf einer Person ausschlaggebend war, ist es jetzt der Grad der Selbständigkeit.

In den stationären Einrichtungen waren wir froh, wenn wir (vor dem 1.1.17) auch Bewohner hatten, die die PSI hatten. Aus welchen Gründen auch immer diese Leute beschlossen hatten, in eine stationäre Einrichtung zu ziehen, ist hier egal, werden wir auch nie ganz ehrlich erfahren.

Im weiteren setze ich voraus, dass die Umwandlung der Pflegestufen (PS) in Pflegegrade (PG) bekannt ist.

Nun ist es mit dem Inkrafttreten des PSGII (Pflegestärkungsgesetz II) so, dass der Kassenanteil für diejenigen, die mit einer Pflegestufe I eingezogen waren, reduziert wurde. Und zwar für all diejenigen, die einen PGII haben, und heute in eine stationäre Einrichtung einziehen müssen oder wollen. Ihr Eigenanteil wird höher, was wohl der eine oder die andere Betroffene nicht leisten kann. Sie wird also beschließen, sich weiter zuhause versorgen zu lassen, egal, ob sie dadurch vereinsamt oder andere Nachteile für sich in Kauf nehmen muss.

Diejenigen aber, die vor dem 1.1.17 in eine stationäre Einrichtung eingezogen waren, haben bis zum 1.1.19 einen Bestandsschutz. Sie werden bis dahin ihre Leistungen erhalten, wie vor dem 1.1.17.

Alle diejenigen aber, die einen höheren Pflegegrad haben, also die schwerst Pflegebedürftigen, erhalten einen höheren Beitrag von der Pflegekasse für ihren stationären Aufenthalt.

Ich weiß, es ist etwas verwurschtelt, und ganz ehrlich? Mir stehen auch schon die Haare zu Berge. Also weiter auf dem Weg in die kommende Katastrophe für uns Fachkräfte…

Nun wird sich eine folgende Entwicklung einstellen:

  1. Weniger Personen mit PSI und PSII werden in die Einrichtungen einziehen, weil sie sich die zusätzlichen Kosten (Eigenanteil) nicht mehr leisten können.
  2. Vermehrt z.T. schwerst pflegebedürftige Personen werden in die Einrichtungen kommen, weil der Anteil der Pflegekasse angehoben wurde und sich so der Eigenanteil reduziert.
  3. Es wird, unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung aka Kostenreduzierung, nicht mehr Fachpersonal eingestellt.

Und das ist die Katastrophe, die ich kommen sehe. Aber ich bin noch nicht am Ende meines Unken gekommen. Denn nun kommt noch der „EEE“ ins Spiel.

Ihr habt vom EEE noch nichts gehört? Kann auch nicht, da darüber kaum in den Medien gesprochen wird. Der EEE ist der einrichtungseinheitliche Eigenanteil.

Der sogenannte „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“ (EEE) besagt, dass jeder Bewohner in einer bestimmten Einrichtung, gleich welchen Pflegegerades, den gleichen Betrag für die Pflege zahlen muss.

Quelle: BIVA, Seite 2

Während also vor dem 1.1.17 die Einrichtungen irgendwie frei von ihren Kostenerstattungen waren, also die Belastungen für den Bewohner abhängig von ihren Pflegestufen variierten, ist es jetzt so, dass die Einrichtungen nur noch gewichtete Kosten von den Bewohnern verlangen dürfen. (siehe BIVA-Link!)

Nun möchte ich kurz noch einmal in Erinnerung rufen, dass die Einrichtungen, egal ob privat betrieben oder aber von caritativen/ kirchlichen Organisationen betrieben, die Paritätischen nicht zu vergessen, gewinnorientiert arbeiten. Sie werden also bestrebt sein, möglichst viele PGIV und PGV als Bewohner zu bekommen, um so einen höheren Anteil von den Pflegekassen pro Bewohner einfordern zu dürfen.

Die Einrichtungen werden deshalb aus betriebswirtschaftlichen Gründen unter der Maxime der Gewinnmaximierung daran interessiert sein, die Quote derjenigen zu erhöhen, die die Pflegestufe V vom MDK bescheinigt bekommen haben. Und dies – und jetzt kommt die zweite Stufe der Katastrophe, die ich kommen sehe: unter Beibehaltung des Personalschlüssels, der nämlich KEINE BEACHTUNG IN DEN NEUEN GESETZEN FAND!

Ich bekomme in meinen Einsätzen nicht mit, dass die Einrichtungen sich um vermehrte Einstellungen kümmern. Während die Bestandskollegen mich bitten, mich doch zu bewerben, bleiben die Einrichtungen mir und meinen Kollegen gegenüber still.

Nein, die Anzeigenwelt schweigt. Es werden keine Fachkräfte  mehr per Anzeigen gesucht. Und damit nimmt die Katastrophe eine Form an.

Angenommen:

Ab dem 1.1.19 fällt der Bestandsschutz für die Menschen, die früher PSI hatten. Vermehrt werden wir also, bei gleichem Personalschlüssel, mehr schwerst pflegebedürftige Menschen behandeln müssen. Und das, ohne weitere Kollegen, denn die kosten den Einrichtungen, was deren Gewinnmarge reduziert.

Meine Ahnung, mein Geunke, lautet deshalb, dass spätestens ab dem 1.1.19 eine massive Personalflucht von Fachkräften stattfinden wird. Und es werden hauptsächlich diejenigen sein, die aufgrund ihrer Erziehung und Herkunft über das gleiche kulturhistorische Gedächtnis verfügen wie die Bewohner.

Leute, wir müssen endlich aufstehen! Uns selbstbewusst zeigen und mit unseren Kollegen in anderen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Kliniken solidarisieren. Auf uns kommt eine Katastrophe zu, deren Ausmaß uns Altenpflegern noch gar nicht richtig bewusst ist.

Wir brauchen deshalb keine Pflegekammer, sondern primär eine Gewerkschaft, die alle Pflegekräfte, ob Helfer, Fachkräfte oder Zeitarbeiter, schützt und stärkt.

Wenn sich jetzt nämlich nichts ändert, und es sich so entwickelt, wie ich es befürchte, werden wir arbeitsmäßig verdammt schwarzen Zeiten entgegen sehen. Denn auf die Politik können wir uns nicht mehr verlassen. Wir sind der Politik egal!

Bitte, widersprecht mir. Zeigt  mir, dass ich das Ganze gänzlich verkehrt sehe. Sei es hier im Kommentarfeld oder auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

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