Ausbildung muss optimiert werden!

Derzeitig bin ich als Nachtwache in einem Krankenhaus in der Nähe von Hosenbüttel eingesetzt. Einen ganzen Monat lang. Und die ersten drei Nächte habe ich hinter mir.

Bis gestern dachte ich, dass ich eigentlich (wenn ich sie mal hatte!) gute Praxisanleiter an meiner Seite hatte. Aber nun bin ich klüger.

Ich will jetzt keinen Rant auf die Praxisanleiter in der Altenpflege starten. Denn sie können nur das weiter vermitteln, was man ihnen, auch auf Fort- und Weiterbildungen, beigebracht hatte. Ich starte hiermit eine kleine Polemik gegen die Ausbildung von Altenpflegern, denn sie ist mehr als bescheiden, verglichen mit der Fachlichkeit von Kranken- und Gesundheitspflegern.

  • Medikamente

In der Ausbildung zum Altenpfleger ist Arzneimittelkunde eine Randerscheinung im Ausbildungsblock. Ich kann jetzt  nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber inhaltlich betrachtet, wurde das bei mir eher stiefmütterlich vermittelt.

Die Kollegen im Krankenhaus wissen beinahe alles über die Medikamente, die sie geben: Wirkungen, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen, alternative Präparate usw. Ich stand die letzten drei Tage nur recht bescheiden da und konnte, obwohl ich mich auch über die Medikamente informiere, bei weitem nicht mithalten. Bescheidenheit machte sich bei mir breit, und ich erkannte ungemeine Löcher in meinem Wissen.

  • Behandlungspflege

Was gehört bei der Altenpflege zur Behandlungspflege. Ich werde jetzt richtig ketzerisch und sage: „bis auf Kompressionsstrümpfe anziehen“ sollte es bei den Altenpflegern gewesen sein. Wundversorgung wird nur von wenigen korrekt durchgeführt. Und s.c. Infusionen gelegt… aber das auch nur so, wie man meint, dass es so gut ist.

Ich weiß, ich bin mit diesen Thesen sehr krabitzig, aber es stimmt! Mehr dürfen Altenpfleger nicht machen. Aus diesem Grund werden in Senioreneinrichtungen auch keine i.V.-Zugänge von den Ärzten gelegt, weil sicherlich die Unsicherheit sehr groß ist, wie man abstöpselt oder den Zugang zieht.

Bis gestern dachte ich, ich hätte Infusionen immer korrekt vorbereitet. Bis gestern. Bis ich der Kollegin zugeteilt wurde, die ganz sanft und äußerst sympathisch mir erst einmal zeigte, wie das richtig geht. Das wurde in der Schule und auch in den beiden Ausbildungsbetrieben, in denen ich war, nicht vermittelt.

  • Dokumentation

Wenn wir Altenpfleger uns über unseren Dokumentationsaufwand, der oftmals eher recht als schlecht ist, beschwerden, sollten wir unseren Kollegen in den Krankenhäuseren mal über die Schulter schauen, während sie dokumentieren. Sie dokumentieren alles, bis auf die Informationen über die Wesensveränderung des Patienten, was wir machen müssen. Aber die Dokumentationen sind aussagekräftiger als unsere. Kurz, präzise und prägnant – und man kann alles aus den Einträgen ableiten, wenn man sich etwas in Pathologie auskennt.

Ich könnte jetzt richtig vom Leder reißen, wenn ich an so manche der Dokumentationen in der Altenpflege denke. Neben massiven Rechtschreibe- und Ausdrucksfehlern findet man oft Einträge wie „Wurde heute geduscht.“ oder aber „Keine Auffälligkeiten“, also Informationen, die so irrelevant sind, aber dennoch, weil man ja was hinschreiben muss, erwähnt werden.

Wäre das Niveau der Zugangsberechtigung zum Beruf des Altenpflegers höher, dann bräuchte es keine Pflegeplanung, die für „Hein Blöd“ formuliert ist  und jeden Handgriff vorschreibt – weil dann in einer entsprechend höherwertigen Ausbildung dieses Wissen vermittelt und später voraus gesetzt würde!

  • Hygiene

Au ja, die Hygiene! Ganz zu Beginn meiner Laufbahn in der Pflege arbeitete ich für einen Personaldienstleister, der im übrigen der selbe ist, bei dem ich jetzt bin, in einer kommunalen Einrichtung in Hosenbüttel. Ich war noch ein Neuling in der Pflege, was eine Fachkraft merkte. Und dann bekam ich von der Person eine Lehrstunde in Sauberkeit. Diese Person war die einzige, wirklich die einzige, die bis auf die Kollegen in dem Krankenhaus jetzt, absoluten Wert auf Reinlichkeit und Desinfektion legte. Wäschewagen mussten zu jedem Schichtwechsel desinfiziert werden, Auflageflächen, Handgriffe in den Stationszimmern, Kühlschränke, Schreibtische, Fäkalienspüle – alles musste ich damals unter Aufsicht reinigen. Nein, die Person stand nicht mit verschränkten Händen hinter mir, sondern sie machte mich auf die eine oder andere Schwachstelle aufmerksam. Ein prägender Moment.

In den Altenheimen später bekam ich dann mit, dass die Kollegen, ob Helferlein oder Fachkräfte daran nicht dachten oder aufgrund von Zeitmangel denken konnten. Es wurde nie nicht flächendesinfiziert!

Um so erstaunter war ich, als ich in der ersten Nacht mitbekam, wie die fest angestellte Kollegin mich auf den „Desinfektionsrundgang“ aufmerksam machte. Also legten wir los und reinigten unsere Arbeitsflächen und alle anderen Kontaktbereiche, mit denen die Fachkräfte in Berührung kamen und kommen. Ging eine Klingel, machte die eine von uns weiter und die andere marschierte los.

  • Mobilisation

Jetzt komme ich zu dem einzigen Punkt, an dem ich feststellte, dass ich als Altenpfleger mehr Ahnung als meine Kollegin aus dem Krankenhaus habe. Nämlich der Mobilisation bzw. Lagerung bzw. Bewegung von bettlägrigen Menschen. Wir sollten ALLE!!!! kineästetisch arbeiten, was auch so manche tun. Gut, neurologische Lagerungen sind schon etwas „anspruchsvoller“, was so mancher Kollege in der Altenpflege aber nicht kann.

Die Kolleginnen in den Nachtdiensten aber rissen an den Patienten, ungeachtet derer Einschränkungen oder Empfindlichkeiten. Es musste besonders schnell gehen, was auch der Patient zu spüren bekam.

Nun will ich keine Schelte betreiben, denn ich merkte, dass bei all dem Arbeitsaufwand, den die Kollegen im Krankenhaus haben, kaum Zeit blieb, sich an das in der Schule Erlernte zu erinnern.

Fazit:

Während es ein Kranken- und Gesundheitspfleger wesentlich einfacher hat, in der Altenpflege zu arbeiten, ist es für einen Altenpfleger wesentlich schwieriger. Zu viele neue Handlungsabläufe, ein immenses Wissen um Behandlungstechniken (Ich weiß z.B. einen Perfusor nicht zu bedienen) und viel zu wenig Kenntnisse in Pathologie und Arzneimittelkunde, die in unserer Ausbildung gar nicht vorgesehen sind und somit verhindern, dass sich unser Berufsbild in der Gesellschaft verbessert.

Die einzige Möglichkeit, die meines Erachtens besteht, ist, dass alle künftigen Altenpfleger eine zweijährige Grundausbildung wie die Kranken- und Gesundheitspfleger erhalten, und dass BESONDERS IN ANATOMIE UND PATHOLOGIE!!!

Denn nur mit einer besseren und qualifizierteren Ausbildung haben wir Altenpfleger die Möglichkeit, uns weiter zu entwickeln und eine bessere Bezahlung einzufordern.

Ich bin nämlich inzwischen der festen Überzeugung, dass das Niveau der Ausbildung zum Altenpfleger politisch und wirtschaftlich bewusst niedrig gehalten werden soll, um so eine Begründung zu haben, weshalb nicht besser bezahlt wird und weshalb die Arbeitszeiten so und nicht anders gestaltet werden. Denn, wer nichts weiß, bleibt dumm. Und dumm sein ist nur dumm!

BTW, ich denke auch schon für mich über mein persönliches #Plexit nach.

Wie siehst du das? Gehst du mit meinen Ansichten konform? Oder musst du mir widersprechen? Du kannst dich hier im Kommentarfeld oder auf Twitter zu meiner Meinung äußern. Ich freue mich auf einen Meinungsaustausch.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

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4 Kommentare zu „Ausbildung muss optimiert werden!

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