Weg! Ganz schnell weg!

Ich muss raus aus der Pflege! Sie macht mich krank und einsam.

Diese Wechselschichten! Dieser Arbeitsdruck! Ich kann es nicht mehr lange aushalten.

Diesen Monat mache ich nur Nachtdienste. 14 Nächte, 10h lang, in vier Blöcken mit je drei oder vier Tagen frei dazwischen.

Gegen acht Uhr morgens bin ich zuhause. Dann esse ich etwas, füttere meinen Hund, schicke ihn in den Garten, räume auf und begebe mich dann ins Bett. Gegen 15 Uhr wache ich auf, wenn mich mein Hund nicht schon vorher geweckt hat. Das ist dann nämlich meistens gegen zwölf Uhr… und die „Nacht“ ist dann für mich vorbei – oft nach nur vier Stunden Schlaf.

Was meine Kollegen und ich während des Nachtdienstes im Krankenhaus leisten, ist mehr als heftig. Besonders dann, wenn Neuaufnahmen aus der Notaufnahme angekündigt werden. Zur Zeit bin ich in einem Krankenhaus in der Region von Hosenbüttel eingesetzt. Und ich merke, wie die Arbeit immer mehr mir an die Substanz geht.

Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr! Mein Körper streikt!

Gerade habe ich mal einige Tage frei, die ich nutze. Dabei merke ich, wie mich der Nachtdienst nur stresst. Die Tage hatte ich „frei“, aber ich konnte die Tage nicht richtig genießen, denn die Müdigkeit holte mich ein.

Nein, ich will mich nicht mehr diesem betriebswirtschaftlichen Diktat der Kostenreduzierung zur Gewinnmaximierung unterwerfen. Ich will nicht  mehr in der selben Zeit mehr Menschen versorgen müssen. Ich kann so eine individuelle Pflege nicht mehr gewähren.  Und das schmerzt. Ich muss wohl aus der Pflege raus.

Würde mich heute ein junger Mensch fragen, ob er oder sie in die Pflege soll, meine Antwort wäre ein klares „NEIN! Es sei denn, dieser junge Mensch möchte unter stressigen Arbeitsbedingungen mit sogenannten „Waschstraßen“ einsam bleiben und krank alt werden, um dann arm – wegen zu geringer Rente – zu sterben.“ Will dieser junge Mensch trotzdem in die Pflege gehen, dann… viel Spaß!

Zur Zeit ist der Vorwahlkampf der Bundestagswahl und Gröhe marschiert mit heeren Argumenten durch die Pflegelandschaft, um zusammen mit den politischen Mitbewerbern an Alzheimer zu erkranken.

Ne, ich mag nicht mehr. Ich muss mich nach Alternativen umsehen. Denn ich glaube, dass es nicht besser, sondern schlimmer wird. Und zwar so weit, dass selbst ich mir überlege, mir die Kugel zu geben, bevor ich ein Pflegefall werde… oder ich mir einen Tee  mixe, der zu Tode führt.

Wie sieht es bei dir aus? Bist du noch „fit“? Lass mich das bitte wissen. Entweder hier im Kommentarfeld oder auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

P.S.: Nur Euch zur Info: nach derzeitigen Berechnungen der Rentenversicherungsanstalt hätte ich heute einen Rentenanspruch von etwa 760 Euro. Und da vergeht mir wirklich erst recht der Spaß!

 

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3 Kommentare zu „Weg! Ganz schnell weg!

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  1. Hallo Frau Sofa, ja ich kenne das, 1994 als Stationshilfe in einem Altenheim angefangen, 1996 die Ausbildung zum Examen begonnen, 2000 bestanden, nach 10 Jahren im Beruf mit Wechselschichten, Früh- Spät- und Nachschichten, war mein Körper kaputt. Fibromylgie, sagt der Rheumatologe, ist von ihrem Job. Na ja die Polyathritis geerbt. Noch heute denke ich mit Grauen an die Fließbandarbeit am Menschen. 10 zu Pflegende hatte ich rund um zu versorgen. Ob zu Hause oder im Heim, egal, war überall gleich stressig. Zuerst habe ich gedacht, na ja, verdienst ja gutes Geld dabei. Aber als das Weihnachtsgeld zusammengestrichen wurde, bekam ich Wut auf die Umstände. Habe immer zu meinen Kollegen/innen gesagt: „Wir müssen etwas ändern.“
    Kollegen: “ Da musst du in die Politik gehen, erst da kannst du was ändern.“ Dies versuche ich seit 2012 nun als gesundheitspolitische und pflegepolitische Politikerin und Listenkandidatin Platz 19 der Piratenpartei in NRW. In Krefeld sitze ich schon seit 3 Jahren im Ausschuß Gesundheit, Senioren und Soziales, habe also auch kommunalpolitisch Erfahrungen sammeln können. Mit den Mitstreitern aus meiner Partei klappt die Teamarbeit besser als in der Pflege. Auch die Anerkennung meiner Arbeit ist enorm. Der einzigste Nachteil, ohne Lohn, ehrenamtlich.
    Die Pflege muss endlich aufstehen und sich wehren, dies versuche ich auch seit 2013 mit Pflege am Boden. Drei Jahre, habe ich in Krefeld zum Flashmob auf gerufen. Wie viele Pflegekräfte mich unterstützt haben? 2-3 und davon ist eine Mitstreiterin von PaB aus Mönchengladbach. Es ist so traurig, das ein Berufsstand der für alle Menschen wichtig sein kann, so viel ertragen muss und ignoriert wird.

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    1. Saleur, wir müssen erst einmal richtig LAUT werden. Nicht umsonst habe ich mit dem Schreiben über das Thema „Pflege“ aus der Praxis begonnen.
      Vermutlich besteht unsere Chance erst mal darin, überhaupt über die Missstände zu berichten und diese nach außen in die Öffentlichkeit zu kommunizieren.
      Die Autobahnmaut von Dobrindt ist Aufregthema, die Doppelbezahlung von Wendt ebenso… Die Menschen regen sich auf, wenn sie ein Thema für das HEUTE und JETZT betrifft. Aber – sie denken nicht an ihre Zukunft (da fällt mir direkt ein neues Thema für den Blog ein! 😉 ).
      Wir müssen anfangen, richtig zu schreien und auch die Grenzen zwischen uns und den Kranken- und Gesundheitspflegern nieder reißen. Denn wir alle werden nur ausgebeutet und von der Politik verarscht. Und die Gesellschaft schaut weg! Noch!

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