Ein interessanter Artikel! Lesenswert!

Prof. Dr. Stefan Sell hat in dem Blog „Aktuelle Sozialpolitik“ zum Gesetzesvorhaben „Generalistik“ einen äußerst lesenswerten Artikel mit dem Titel „Von allem etwas und später mal nachschauen, was passiert ist? Der Kompromiss zur Reform der Pflegeausbildung“ veröffentlicht.

In dem Artikel schreibt er:

„Der stärkste Widerstand kam aus dem Lager der Altenheimbetreiber, vor allem der privat-gewerblich organisierten Heimbetreiber, die das über den pflegepolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Erwin Rüddel (CDU) transportieren konnte. Und bis vor kurzem sah es so aus, als ob dieses Widerstandslinie unüberwindbar sei. Doch im wahrsten Sinne des Wortes im letzten Moment haben die Koalitionsfraktionen bzw. deren Unterhändler einen Kompromiss finden können.“

Etwas später erwähnt Prof. Dr. Sell etwas, was auch ich schon in dem einen oder anderen Blogbeitrag erwähnt habe, nämlich die schlechtere Bezahlung von Altenpflegern im Vergleich zu den anderen Pflegeberufen und der daraus resultierenden geringeren Altersrente.

Dass sich die Mehrheit der Auszubildenden für diesen Weg entscheiden wird, scheint den Generalistik-Befürwortern sicher, denn man muss wissen, dass die Altenpflegekräfte derzeit im Schnitt 30 Prozent weniger verdienen (können) als die Gesundheits- und Krankenpfleger, die beispielsweise in den Kliniken unterwegs sind. Das ist ja auch das Hauptmotiv für den Widerstand vor allem aus dem Lager der privat-gewerblichen Pflegeheimbetreiber, die zu Recht Angst haben, dass eine entsprechende Pflegeausbildungsreform das enorme Vergütungsgefälle zuungunsten der Altenpflegekräfte erschüttern würde bzw. wird, schlichtweg, weil auch die Pflegekräfte in der Altenpflege durch ihre generalistische Qualifizierung leichter und überhaupt wechseln könnten.

Ich möchte hier sogar noch einen Schritt weiter gehen. Da es KEINE Kontrolle darüber gibt, wie die Auszubildenden in Altenheimen behandelt werden, würde mit der Generalistik den privaten Altenheimbetreibern sogar die Möglichkeit entzogen, Auszubildende entweder als komplette Stelle im Stellenplan mitzuführen und so die Dienste abzudecken, oder aber die Auszubildenden für Tätigkeiten einzusetzen, die von anderen Berufsgruppen durchgeführt werden sollten, wie z.B. die tägliche Essensausgabe mit anschließendem Küchendienst und am Abend noch sieben zu versorgende Personen. So sparen die privaten Einrichtungsbetreiber von Alten- und Pflegeheimen immens an Personalkosten.

Die Personalkosten werden auch noch an anderer Stelle gespart, nämlich bei der „Bereitstellung“ der Praxisanleiter und dem gemeinsamen Dienst mit dem Auszubildenden. In den drei Jahren meiner Ausbildung hatte ich KEINEN EINZIGEN TAG mit einem Praxisanleiter. Ungelogen! Alles das, was ich heute kann, brachte ich mir entweder selber bei, oder aber das Wissen brachte ich schon mit.

Um so manchem Praxisanleiter in seiner Tätigkeit zu entlasten und ihm/ ihr die Möglichkeit zu geben, zusammen mit dem Auszubildenden zu üben und ihm/ ihr in die Pflegepraxis einzuarbeiten, hätte es einen höheren Stellenschlüssel erfordert, der aber aufgrund betriebswirtschaftlicher Ziele der Gewinnmaximierung nicht realisiert wurde.

Und Prof. Dr. Sell spricht noch ein weiteres Thema an, das mir auch ein Dorn im Auge ist: nämlich das Vergütungsgefälle in der Pflege. Wir Altenpfleger sind in der Gehaltshierarchie am untersten Ende angesiedelt, da sich nur so mit dem Geschäft der Altenpflege eine jährliche Dividende von 5-6% erzielen lässt. (Dazu aber später mehr, wenn ich endlich herausgefunden habe, wie ich Grafiken in einen Text hier einbinden kann!)

Ich hoffe inständig, dass der Artikel von Prof. Dr. Stefan Sell schnellstmöglich eine weite Verbreitung in der Internetwelt findet. Und zwar nicht nur unter uns Betroffenen, sondern auch in den Medien. Und ich hoffe, dass die Politik ganz schnell begreift, dass sie sich über die Lobbyisten hinweg setzen muss, um so den anstehenden #pflexit abzuschwächen.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

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