Presseschau (6)

Interessante Presseartikel und Pressemitteilungen, die sich mit dem Thema „Pflege“, „Pflegenotstand“, „Bezahlung“, „Arbeitsbedingungen“, „#Pflexit“, „#Pflegestreik“ und mehr befassen.

Die folgenden Verlinkungen sind bewusst in einer bestimmten Reihenfolge angelegt. Ich empfehle deshalb, wirklich alles zu lesen. Denn im letzten Link (TAZ) zeigt sich, wie unmenschlich in Bremen DIE GRÜNEN agieren, wenn es um das Wohl der Pflegebedürftigen geht.  Aber alles der Reihe nach.

Es ist wirklich so, dass in einigen Einrichtungen Alltagsbegleiter bzw. Betreuungsassistenden  pflegende Tätigkeiten vornehmen, die sie aus rechtlichen Gründen einfach nicht machen dürfen. Aber sie machen es. Weil sie mitbekommen, wie groß der Arbeitsdruck auf das vorhandene Pflegepersonal ist. Sie gehen mit den Anvertrauten auf die Toilette, reichen ihnen Essen an oder nehmen (selten) Mikrobewegungen zur Dekubitusprophylaxe vor. Und sie machen es, weshalb wir es auch dulden, zum Wohle des Betreuten.

Selbst ich war in der einen oder anderen Einrichtung froh, wenn die Alltagsbegleiterin mir Arbeiten abnahm, denen ich einfach nicht nachkommen konnte. Wenn ich mich um Menschen mit M. Pick, M. Alzheimer, M. Korsakov oder anderen Formen dementieller Veränderungen beschäftigen muss, ich wichtige Telefonate führen und die Medikamente stellen und verabreichen muss, und nur eine Helferin zur Seite habe, ja, dann bin ich froh, wenn jemand eine Person zur Toilette begleitet.

Wir Pflegefachkräfte haben keine acht Beine, 16 Arme, 6 Köpfe, 4 Nervenkostüme…. und wir können uns nicht vierteilen. Es reicht schon, dass wir unsere Pausen opfern.

Dazu passt nun der folgende Artikel

  • DGB Rechtsschutz GmbH: „Verstoß gegen Pausenregelung – Helios Klinikum muss 88.000 Euro Ordnungsgeld zahlen“ Veröffentlicht am 28.4.2017

Hintergrund ist, dass dank gewinnorientierter Maßnahmen in Kliniken an Pflegepersonal gespart wird. Dadurch wird der Arbeitsdruck immens und ist kaum zu bewältigen. Auf der Strecke bleibt die wohlverdiente Pause, die dazu dient, sich zu erholen und etwas Abstand von der Arbeit zu gewinnen. Aber wie will man Pause machen, bei einer äußerst knapp bemessenen Personalbesetzung? Und dagegen hat der DGB geklagt und gewonnen.

In diesem Urteil ist derzeitig  nur die HELIOS-Klinik in Berlin betroffen, aber ich hoffe und glaube, dass dieses Urteil auch bundesweit Gültigkeit haben dürfte – und nicht nur für Kliniken, sondern auch für Senioreneinrichtungen. Nur – solange meine Kollegen aus den Senioreneinrichtungen sich nicht dafür interessieren, was eigentlich ihre Rechte sind…

Hier die Quelle des Urteils:

Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg Beschluss vom 05.04.2017, Az: 15 TaBV 1522/16, des Arbeitsgerichts Berlin Beschluss vom 30.01.2014, Az: 44 BV 10913/13, Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg Beschluss vom 17.09.2014, Az: 15 TaBV 706/14/15 TaBV 1746/14

Wie gut, dass der Mindestlohn für Pflegehelfer endlich angehoben wurde. Für die Tätigkeit, die die Helfer in der Pflege ausüben, ist es noch zu wenig, aber es ist wenigstens ein kleiner Erfolg.

Dennoch würde ich mir wünschen, dass alle Beteiligten, also Einrichtungsbetreiber, Gewerkschaften und in den ambulanten Diensten auch ein Mindestlohn für Pflegefachkräfte aufgedrückt wird.

Es gibt, so hatte ich mal gehört, Überlegungen, die Tätigkeiten der Pflegehelfer grundsätzlich auszudehnen und so, unter dem Deckmantel der „Entlastung der Pflegekräfte“ immer mehr Tätigkeiten ausführen (und für die Betreiber von stationären und ambulanten Diensten) mit den Pflegekassen abrechnen zu können. Mein Gefühl war, als ich das hörte, dass damit uns Fachkräften der Boden für relevante Tätigkeiten und somit der Anspruch auf eine bessere Bezahlung entzogen werden soll.

Aber mit Blick auf #Pflexit , das immer mehr um sich greift, werden immer mehr Fachkräfte stch von der Pflege verabschieden. Eine Entwicklung, die zu einem echten Pflegenotstand führen wird, wenn nicht endlich die Politik ihren Hintern hoch bekommt und sich um ALLE Pflegefachkräfte kümmert, ob in der Altenpflege oder in Kliniken/ Krankenhäusern.

Und nun hole ich zu meinem letzten Rundumschlag in dieser Presseschau aus.

Es geht um den kleinen Stadtstaat Bremen und um den Stellenschlüssel für Nachtschichten. Es geht darum, dass eine Pflegekraft in der Nacht für 50 Bewohner zuständig sein soll. Federführend dabei ist das von DIE GRÜNEN geführte Sozialressort, das aber schon zweimal von der SPD ausgebremst wurde.

Es gibt Streit in der Koalition. Gegenstand: die Personalquote in Altenheimen. Das grün geführte Sozialressort von Senatorin Anja Stahmann beharrt in einem Gesetzesentwurf bislang auf einem Betreuungsschlüssel, der ermöglicht, dass nachts in Pflegeeinrichtungen für Ältere gerade einmal eine Person für bis zu 50 HeimbewohnerInnen zuständig ist.

Ich hatte in manchen Nachtdiensten 49 Personen zu versorgen. An Pausen (s.o) war kaum zu denken. Drei Rundgänge über drei Etagen, lagern, frisch machen, Nachtwanderer einsammeln, Getränke anreichen… und das bei geronto-psychiatrisch auffälligen Menschen. Und das in einer Einrichtung, die keine geschützte Einrichtung ist, um so dem erhöhten Personalbedarf vorzubeugen.

Ganz ehrlich? Warum unterstützen uns die Angehörigen nicht lautstark nach besseren Arbeitsbedingungen? Warum bedarf es Blogs wie meiner, immer wieder den Finger in die Wunde der Pflege in Deutschland zu legen?

Was wäre, wenn alle Pflegekräfte beschlössen, zu einem bestimmten Zeitpunkt die Kündigung abzugeben, um auf die Wichtigkeit ihrer Tätigkeit aufmerksam zu machen?

Warum schaffen wir Pflegekräfte es nicht, uns endlich zusammen zu tun und GEMEINSAM gegen diese Zustände anzukämpfen?

Und warum verweigern sich die etablierten Patteien, bis auf DIE PIRATENPARTEI, konkrete Ideen gegen diesen Missstand zu formulieren und einzufordern?

Lasst mich bitte wissen, ob ich so verkehrt liege oder nicht. Schreibt es als Kommentar oder meldet Euch bei mir auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

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