Ausbildung, die gelebte Ignoranz.

Wie schon in meiner Vorstellung angerissen habe ich meine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im hiesigen Klinikum erlebt bzw überlebt. Es war nicht leicht für beide Seiten. Weder für meine Ausbilder, mit mir als rebellischen Schüler, noch für mich mit meinen oftmals ignoranten Ausbildern. Das ging von: „Das kommt noch später, dafür ist dein Ausbildungsstand noch nicht soweit“, über „Wie jetzt, das kannst du immer noch nicht, warum hat dir das noch keiner gezeigt?“, bis hin zum allseits beliebten „Was interessiert mich der neumodische Kram aus der Schule, wir haben das schon immer so gemacht, also machen wir das auch weiter so“

Das sind einzelne Symptome für ein allgemeines Problem. Die Ausbildung wird weder von den Pflegeeinrichtungen noch von den Pflegekräften gelebt und begriffen. Es fehlt einfach das Verständnis der Pflege sich validieren zu müssen. Sei es die eigenen pflegerischen Handlungsweisen  zu hinterfrage, sei es das ignorieren neuer Erkenntnisse aus der pflegerischen und medizinischen Forschung, oder sei es der Punkt das Schüler keine billigen Hilfskräfte sind, sondern nach 3 Jahren Ausbildung aus dem Scherbenhaufen plötzlich Fachkräfte sein sollten.

Die Anforderungen an Pflegefachkräfte sind hoch. Egal in welcher Fachrichtung der Pflege. Nicht umsonst dauert die Ausbildung zur Pflegefachkraft ein halbes Medizinstudium lang. Es gehört eben mehr als nur Urinkellnern dazu…

Aber genau auf diese Anforderungen wird nur wenig eingegangen, im laufe der praktischen Ausbildung. Schüler werden nur von wenigen Fachkräften wirklich gefördert. Die meisten Fordern nur. Oder um es noch krasser auszudrücken, sie benutzen die Schüler nur. Da gibt es sicherlich auch Kollegen dabei die Schüler aus eigener Faulheit für „Dreckaufgaben“ ausnutzen, doch das große Grundproblem ist eher in den Chefetagen zu finden.

Personalmangel auf allen Ebenen
Aufgrund der zu wenigen Mitarbeiter werden Schüler oft nur zu Pflegehelfern und müssen die Lernziele irgendwo zwischen Tür und Angel erreichen. Praxisanleiter kommen kaum zu Anleitungssituationen weil sie eben auch in dem großen Hamsterrad drin stecken. Die anderen Mitarbeiter sagen oftmals das sie keine Praxisanleiter sind und erklären bzw zeigen kaum was. Schließlich haben sie genügend anderen Kram zu tun. Der Chef des Klinikums in dem ich gelernt habe, hat es mal recht deutlich formuliert.

„Wir sind hier in erster Linie nicht dafür zuständig Schüler auszubilden, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen welches sich mit der Heilung kranker Menschen beschäftigt. Unser Fokus liegt auf der Behandlung der Kranken“

Daran sieht man recht deutlich wo die Reise hingeht. Sicherlich ist muss ein Unternehmen am laufen gehalten werden. Sicherlich liegt der erste Fokus nicht gleich auf der Ausbildung, doch wenn die Ausbildung der zukünftigen Mitarbeiter immer weiter nach hinten geschoben wird, fehlt es eben in der Zukunft genau an den guten Fachkräften die es dann so dringend braucht.

Langfristig sehe ich das System Pflege, so wie es derzeit besteht, zusammenbrechen. Das ist aber noch viele Jahre in der Zukunft. Mittelfristig wird es noch viel schlimmer werden. Sei es in der Ausbildungssituation, sei es in der pflegerischen Versorgung alter und kranker Menschen, sei es in der Finanzierung der Pflege, sei es bei der Bezahlung der Pflegekräfte…

Doch wie lässt sich das Problem lösen?
Ich persönlich habe es aufgegeben zu hoffen das es „von alleine“  besser wird, das Politiker mal die Weichen vernünftig stellen. Schließlich wissen wirklich alle wie es um die Pflege in Deutschland bestellt ist. Es wird einfach nur ignoriert.

Ich warte einfach auf den großen Knall der definitiv mit verdammt vielen Opfern stattfinden wird. Bis dahin versuche ich bei möglichst vielen Schülern die Motivation mit der sie ihre Ausbildung begonnen haben zu erhalten. Ihnen viel Wissen vermitteln, sie zu Fördern im Rahmen meiner Möglichkeiten. Die Weiterbildung zum Praxisanleiter steht auf dem Plan sobald meine 2 Jahre Wartezeit nach der Ausbildung rum sind, also in 1,5 Jahren. Wissen zu vermitteln kann so viel Spaß machen, schade das es nur so wenige tun.

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