Wahrnehmung der Pflege in der Gesellschaft

Kürzlich war im TV eine Diskussionssendung zum Thema Pflege zu sehen. Ich selbst habe keinen Fernseher und habe diese Sendung nicht gesehen (Ja ich weiß das es Mediatheken gibt) allerdings waren die Meinungsbilder auf Twitter zu #Hartaberfair viel breitgefächerter als es die Sendung als solches Darstellen könnte. TV Sendungen bestätigen entweder eine Meinung, oder sie bringen zum Nachdenken was auch nur wieder eine Meinung bildet, pro Person. Dann schaue ich lieber was das Internet so schreibt… Aber es soll ja nicht um meinen Medienkonsum gehen, sondern um die Wahrnehmung der Pflege in der Gesellschaft.

In aller Regel wissen die Menschen was wir Pflegekräfte leisten und wie beschissen die Bedingungen sind. Dann fallen im Gespräch die üblichen Floskeln:
„Ich könnte das ja nicht.“
„Respekt für deine Arbeit“
„Ihr müsstet besser bezahlt werden“
„Der Stress ist ja schon unmenschlich, toll das ihr trotzdem so freundlich bleibt und für uns da seid“

Dann fühlen sich viele Pflegekräfte gebauchpinselt und machen weiter wie bisher, weil sie ihre Leistung ja anerkannt sehen. Genau darauf bauen die Geschäftsführungen wie auch die Regierung beim Thema Pflege. Jeder weiß wie beschissen es läuft, aber die Pflegekräfte halten ja still und leisten weiter ihre Arbeit. Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite steht die mediale Darstellung der Pflege.
Dass es beschissen läuft ist ja nun angekommen. Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, das es wirklich jeder begriffen hat in diesem Land. Von der armen kleinen Sau, bis hoch in die höchsten politischen Ämter. Doch was so typisch Deutsch ist funktioniert eben auch bei hochbrisanten Themen. Es wird zerredet bis es qualmt. Getreu dem Motto: „Gib dem Affen Zucker“ wird hier diskutiert und diskutiert und diskutiert, ohne auch nur ein Ergebnis zu erreichen. Maximal das rauskommt, das die Pflege mehr Respekt und bessere Bezahlung verdient. Na wer hätte das gedacht? Soweit war die Gesellschaft schon vor der Diskussion.

Meiner ganz bescheidenen Meinung nach, diskutieren die Falschen miteinander, ob nun im TV oder in den Kabinetten. In den TV-Sendungen wird die Pflege oft von Dr. Eckart von Hirschhausen vertreten, was ich generell nicht schlecht finde wenn sich auch Ärzte für uns einsetzen. Doch wer sitzt noch so in der Runde zum Thema Pflege? Politiker, Journalisten, Krankenkassenvorstände, maximal noch jemand aus den höheren Rängen der Pflegewissenschaft. Weder einfache Pflegekräfte, noch Pflegedienstleitungen, noch Pflegeeinrichtungsleitungen. Alle unmittelbar betroffenen, welche die mediale Darstellung in eine neutrale Darstellung bringen könnten um das Stimmvieh zum Nachdenken aufzurütteln, werden außen vor gelassen.

Wo soll also das kollektive Bewusstsein von „Wir müssen endlich mal den Arsch hochbekommen für unser eigenes Wohl“ denn herkommen wenn alles wieder schön geredet wird und am Ende ein „Es funktioniert noch, lass uns erstmal so weiter machen“ rauskommt?

Es wird nicht gemeinsam nach Lösungen geschaut. Es wird nebeneinander diskutiert, in einzelnen Gruppen. Die Pflegekräfte untereinander, die Pflegewissenschaftler untereinander, die Ärzte untereinander, die Politiker in den Kabinetten untereinander, die pflegenden Angehörigen untereinander, die zu pflegenden untereinander…
Die Frage die sich mir stellt, ist nur ob überhaupt jemand Lösungen will. Außer natürlich die unterste Ebene mit den Pflegekräften, bzw pflegenden Angehörigen und die zu Pflegenden, bis maximal hoch zu den Pflegeeinrichtungsleitungen. Quasi die direkt Betroffenen. Alle die darüber sitzen profitieren doch von dem derzeitigen System. Kosteneinsparung durch geringere Personalkosten auf der einen Seite, Gewinne auf Seiten der Pharmas, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Sozialdienste… An der Pflege lässt sich prima verdienen.

Solange Diskussionen immer nur nebeneinander statt miteinander geführt werden, wird sich auch kein wirkliches gemeinsames Interesse für eine Verbesserung finden. Da jammern doch eh immer die gleichen, was gehts mich an? Oder, ja das ist alles schlimm und traurig, aber kannste halt nix machen. Das ist so mein Eindruck welcher durch eine solche mediale Darstellung entsteht. Solange das Spiel „teile und herrsche“ noch so gut funktioniert, solange wird sich auch nix ändern. Ich warte auf den großen Knall wenn das bestehende System in sich zusammenbricht und dann tatsächlich mal für 5 Minuten nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht wird. Allerdings werde ich bis dahin wahrscheinlich selbst von der Pflege abhängig sein. Ich freu mich jetzt schon drauf…

 

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