Ausbildung? Sorry, muss grad etwas hüsteln…. (2. Teil)

Gerade eben hatte ich von zwei Erlebnissen meines ersten Ausbildungsbetriebes erzählt. Nachdem aus Gründen für mich eine neue Einrichtung gesucht werden musste, landete ich in einem kirchlichen Haus, in dem ich früher als Leasingkraft (Pflegehelferin) gearbeitet hatte.

In diesem Haus arbeiteten auch Nonnen in der Pflege. Und ich wurde dem Wohnbereich zugeordnet, in dem die Nonne meines Schreckens wirkte. Sie heißt Sr. Lucida und ist heftig faul, dabei aber auch sehr sehr streng. Sie „nordete“ mich direkt als Schülerin ein und untersagte mir, auch nur ansatzweise eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ich durfte nichts mehr, meine Aufgabe bestand darin, nur noch auf Anweisung zu arbeiten. Denn ich war Schülerin.

Dieses Mal hatte ich eine Praxisanleiterin, die aber leider auch Wohnbereichsleiterin und Wundmanagerin war, was dazu führte, dass ich sie niemals zu Gesicht bekam.  Meine Tätigkeit bestand aus der Pflege von mindestens sechs Bewohnern, Essensausgabe und Essen anreichen. Dazu Küchendienst am Abend oder am Mittag.

Das Klientel war da anders. Der Anteil der geronto-psychiatrisch erkrankten Personen betrug etwa 10%, alle anderen waren entsprechend ihrem Alter orientiert.

Für die Schule war die Sache damit erledigt. Und ich war es leid, mich wieder zu beschweren. Ich war inzwischen schon demotiviert.

  • Die „Rache“

Als es auf meine Abschlussprüfung hinaus lief, bekam ich eine feste Gruppe zugeteilt. Sie bestand aus sechs Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen. Da ich wusste, dass ich in der Prüfung auch Wissen in Behandlungspflege vorweisen musste, fielen schon zwei raus. Also blieben nur noch vier. Deshalb, und mir hatte keiner etwas verraten, konzentrierte ich mich bei meinen eigenen „Übungen“, die von meiner PA niemals überprüft wurden, auf die für mich Verbliebenen.

Das waren:

Frau E.: PEG, Hemiphlegie, Dysphagie, adipös, chronische Bronchitis, MRSA im Rachenraum, ISOLIERUNG

Herr P.: Unterschenkelamputiert, orientiert,

Frau K.: chronische Wunden an den Beinen, Pergamenthaut, orientiert

Frau L.: Ich kann mich nicht mehr erinnern.

  • Die Prüfung

Bis jetzt weiß ich nicht, wer für die Auswahl meines Prüfungs“opfers“ verantwortlich war. Aber egal. Es ist vorbei. Aber dennoch: ich habe immer noch die sogenannte „Hasskappe“ auf.

Es  was Hochsommer und an einem der heissesten Tage fand meine Prüfung statt. Schon gegen 10  Uhr herrschten extrem hohe Temperaturen. Am Tag zuvor hatte ich erfahren, wer mein „Opfer“ sein sollte, denn ich musste für diese Person die Pflegeplanung nach P.O.P. schreiben. Es war Frau E.!

Nachdem ich um 9 Uhr die Übergabe gemacht hatte, herrschten draußen schon Temperaturen jenseits der 25 Grad Plus. Und ich wusste, dass nun wir alle, die Prüfer und ich, uns in die komplette Isokleidung begeben mussten.

Das Zimmer von Frau K. liegt in Süd-Ost-Lage. Hatte keine Gardinen, die die Sonne abhielten, ihre Hitze in den Raum zu schicken. Da das Zimmer in der Nähe eines Teiches lag, mussten die Fenster wegen der Insekten geschlossen halten. Gefühlt herrschten in dem Raum weit mehr als 30 Grad plus. Und durch die Anwesenheit von mehr als vier Personen wurde die Luft auch entsprechend stickig.

Ich musste Frau K. waschen, ihre PEG-Stelle versorgen, ihr Medikamente über die PEG geben, ASE durchführen, basal stimulieren, frisch einkleiden, Mundpflege, Desinfektionsmittel ansetzen, den Raum desinfizieren, Sondennahrung anhängen und starten, Lagerung vornehmen… und dies alles in 90 Minuten incl. Übergabe und Dokumentation der Tätigkeiten.

Mein T-Shirt war klitschnass geschwitzt, als ich mich des Kittels entledigte, nachdem ich den praktischen Teil der praktischen Prüfung hinter mir hatte. Und ich sah mit Genuss (!!!!), dass auch die Prüfer in ihrer Schutzkleidung gelitten hatten.

Nun galt es nur noch zu dokumentieren. Da ich in meinem ersten Leben viel schreiben musste, kann ich über 300 Zeichen pro Minute im 10-Finger-System schreiben. Also setzte ich mich an den PC und rief die Bewohnerakte auf und fing an zu schreiben. Mein Prüfer saß hinter mir und versuchte, mitzulesen und mitzuschreiben.

„Halt! Frau Sofa, nicht so schnell! Ich komme nicht mit!“ raunzte er mir in den Nacken. Ich schaute ihn an, sah auf die Uhr und schrieb weiter.

Dann kam der rhetorische Teil, in dem ich meine Arbeit reflektieren und den Fragen der Prüfer stellen sollte. „Ich habe keine ASE gesehen!“ wagte einer der Prüfer zu sagen. Ich schaute ihn an und sagte, dass er das doch gesehen haben müsste. Denn das hätte ich bei der Eincremung gemacht.

Dann war die Prüfung vorbei und mein Hauptprüfer riet mir, nach Hause zu fahren und nach dem Duschen ein Glas Sekt zu trinken.

Wie war Eure Prüfung? Was hattet Ihr für Kandidaten? Lasst mich das bitte wissen!

Sei es hier als Kommentar oder aut Twitter. Ich bin schon jetzt gespannt, was Ihr so zu erzählen habt.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

Advertisements

3 Kommentare zu „Ausbildung? Sorry, muss grad etwas hüsteln…. (2. Teil)

Gib deinen ab

  1. Ich hatte wohl noch Glück, mein Staatsexamen erwarb ich im Jahr 2000, noch kein Arbeitgeber nötig und noch keine praktische Prüfung am Bewohner in einer Senioreneinrichtung.
    Sondern in der Ausbildungsstätte an einer menschengroßen Puppe. Sterile Wundversorgung, war das Thema.
    Ich machte einen Fehler, der mir sofort auffiel. Ich musste nur sagen was ich falsch gemacht habe, die sterile Wundversorgung war eben nicht mehr steril.
    Nach der Versorgung nur noch Lagerung, damit die Wunde ( Dekubitus) frei gelagert wurde. Das ernste daran ist, ich habe NIE mehr sterile Wundversorgung durchführen können.
    Denn es gab weder von der Einrichtung noch von den behandelnden Ärzten ein Steripack.
    Sterile Wundversorgung habe ich in 10 Jahren nicht einmal gesehen in Senioreneinrichtungen.
    Finde den Fehler.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hab mein Examen als „Examinierte“ noch früher gemacht als Sandra – 1995 (in Bayern) angefangen – ansonsten verlief mein Werdegang ähnlich ab, wie bei dir: War zuerst Pflegehelferin und hab die Ausbildung danach weiter gemacht …
    Die Schule selbst hat bei mir nichts gekostet (lediglich die Bücher und sonstige Materialien musste man selbst zahlen), meinen Lebensunterhalt hat mein Mann und mein Praktikantengehalt finanziert.

    Die schulische Ausbildung zur Examinierten dauerte bei mir zwei Jahre, die praktische etwas länger, da ich nur halbtags arbeiten konnte – ich hatte ja nebenbei noch die Familie mit den vier schulpflichtigen Kindern, die versorgt werden wollten.

    Ich hab in einem Haus gelernt und gearbeitet, in welchem evangelische Schwestern (Diakonissen) gelebt haben – da läuft etliches anders ab als im realen Leben 😉

    Bevor ich dort die Ausbildung zur Examinierten gemacht hab, habe ich dort über ein Jahr als Dauernachtwache gearbeitet (als Pflegehelferin war das damals noch möglich) und wechselte zur Ausbildung in den Tagdienst, da man dort ja mehr lernen würde … ich wurde auch ganz normal in den Stationsalltag mit rein geplant.

    Im Nachtdienst war ich verantwortlich für das ganze Haus – allein für die gut 60 Bewohnerinnen – gemischt – Pflegestation und zwei Wohnstationen.

    Den Tagdienst absolvierte ich ausschließlich auf der Pflegestation, welche ca. 20 Bewohnerinnen umfasste.

    Die Ausbildung dort hat mir die ersten grauen Haare beschert – es wurde NICHTS so gemacht, wie wir es in der Schule gelernt hatten!

    Desinfektion für Dauerkatheter wechseln: Gründlich waschen reicht!

    Desinfektion für eine Injektion: Etwas 4711 reicht!

    Wobei ich bei Allem lediglich zuschauen durfte – selbst ausführen durfte ich nie was. Ich hab bis zum Ende meiner Ausbildung NIE eine Injektion gemacht – noch nicht mal s.c.!

    Zum Glück habe ich zur Prüfung das Thema Kompressionsverbände gezogen – zumindest DAS konnte ich aus dem ff …

    Beim Praktikumsbesuch im Heim war es bei uns noch so, dass wir uns noch nicht mit Pflegeplanungen rumplagen mussten. Bei uns hat es gereicht, wenn wir uns jemanden ausgesucht haben und dann die korrekte Versorgung durchgeführt haben.

    Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, welche Bewohnerin ich dazu genommen habe, die Vorbereitung war nicht allzu genau – auch von Seiten der Schule wurde nicht allzu genau hingeschaut – da war nur die Dozentin anwesend und hat beurteilt … ob die Grundpflege ordentlich durchgeführt wurde, ob die Lagerungen so OK waren usw. …

    Wenn ich heute in Pflegeforen lese, was für Anforderungen an die Auszubildenden gestellt werden – ich würde mit Pauken und Trompeten durch fallen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: