Eine Glosse: Die Prinzessin

Die „Prinzessin“

Sie ist für mich die anstrengendste Person in der Pflege. Sie scheint auf der Klingel zu sitzen. Fordert ein und argumentiert mit den Worten „Ich zahle dafür, also haben Sie/ hast du meinen Anordnungen Folge zu leisten!“ Und das in einem Ton, der oft mehr als  grenzwertig ist. Sie siezt  nicht, sondern nimmt sich das Recht heraus, einfach zu duzen. Egal wie alt man ist. Sie duzt, als Zeichen der Missachtung.

Die Prinzessinen sind voll orientiert, stehen nicht unter Betreuung und wissen gekonnt, sich über Nichtigkeiten bei der Einrichtungsleitung zu beschweren, um so ihr Ziel zu ereichen: Das Springen der Pflegekräfte, wenn sie etwas wünscht.

Aus diesem Grund ist sie unter den Kollegen gefürchtet. Man fürchtet Ermahnungen, Abmahnungen oder gar Kündigung, wenn man nicht ad hoc, Sekunden später, auf die Klingel reagiert.

Im Hintergrund hat die Prinzessin ihre Kinder, die ähnlich agieren. Sie behandeln uns Altenpfleger wie Diener. Sie beschimpfen uns, stehen in der Tür, winken mit dem Zeigefinger und sagen im barschen Ton: „Sie! Kommen Sie mal her!“, um anschließend in einem herrischen Ton beleidigend über einen herzuziehen und die Pflegekraft für alles verantwortlich zu machen, was der Prinzessin geschehen ist.

Um ihren „Beschwerden“ Nachdruck zu erteilen, übertreibt die Prinzessin und lügt nachweislich. Zur Rede gestellt, leugnet sie, lehnt ab, jemals so etwas gesagt oder getan zu haben.

Macht eine Pflegekraft es aber richtig, so wie sie es will, dann fordert sie sie auf, ein Bonbon aus dem Körbchen zu nehmen, als Belohnung. Aber wehe, man will nichts aus dem Körbchen da auf der Fensterbank nehmen, dann wird von ihr Rechenschaft eingefordert.

Meine Lösung:

Ich zeige ihr ihre Grenzen. Stoppe sie, wenn sie sich im Ton vergreift. Reagiert sie nicht entsprechend und schaltet nicht um auf eine Höflichkeit, lasse ich sie alleine, in dem ich den Raum verlasse, und dokumentiere ehrlich das Geschehen und meine Reaktion darauf. Auch wenn ich mich damit angreifbar und kritisierbar mache.

Aber hierbei handelt es sich um eine von ärztlicher Seite klar definierte Person, die nicht unter einer altersbedingten psychiatrischen Erkrankung handelt, die klar und dezidiert ihre Wünsch äußern kann.

Wie geht Ihr mit dieser Klientel „Prinzessin“ um? Lächelt Ihr und tut auch brav immer das, was sie sagt? Kennt Ihr überhaupt diesen Typus, oder bilde ich mir dieses Verhaltensmuster nur ein? Lasst es mich bitte wissen. Sei es hier als Kommentar oder aber drüben auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

 

 

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3 Kommentare zu „Eine Glosse: Die Prinzessin

Gib deinen ab

  1. Ja, die Prinzessinnen. Die Mutter einer Zahnärztin wurde auf der Station betreut und gepflegt. Eine sympatische alte Dame. Mit beginn ihrer Demenz brachte ihre Tochter ( Zahnärztin ) sie ins Pflegeheim. Sie war Prinzessin weil ihre Tochter sie dazu gemacht hatte. Die Tochter setzte sich über ärztliche Medikation hinweg. Schmiss uns immer Mittags die gebrauchte Einlage ihrer Mutter vor die Füße mit dem Ton : „Aufheben“. Einer Kollegin schmiss sie die Zimmertüre während des Schließens in den Rücken, so das meine Kollegin im Nierenbecken von der Türklinke getroffen wurde und wochenlang wegen Krankheit ausfiel. Sie Zwang uns zu vielen Dingen die gegen die Prinzipien der Pflege verstießen.
    Wir durften die Mutter nicht lagern, wir mussten sie in einer bestimmten Art und Weise beim Laufen anfassen, wurde es nich befolgt, rannte die Zahnärztin zur Heimleitung.
    Das ging soweit, das uns von der Geschäftsleitung gedroht wurde.
    “ Ihr könnt mir ja die Kündigung bringen, wenn ihr nicht den Anweisungen der Zahärztin folgen wollt“.
    Sie kam in ein anderes Pflegeheim des kirchlichen Trägers.
    Sie wurde dort auch nicht gelagert und bekam Dekubiti an beiden Fersen.
    Und wieder setzte sich die Zahnärztin über die Anweisungen des Hausarztes hinweg, und hat strengsten verboten, die Nekrosen an den Fersen abtragen zu lassen. Durch die Schuld der Zahnärztin verstarb die demente alte Dame an einer Sepsis.

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  2. Prinzen…..und Prinzessinnen!
    Gibt es und wird es immer geben. Der Mensch an sich verändert seinen Charakter ja nicht mit dem Alter. Manche versuchen es, andere fühlen sich in ihrer Blase wohl. Wichtig ist immer zu wissen, was sagt mir die Biographie desjenigen!? Dort kann man viel raus lesen. Ich persönlich, halte es so: Konsequent und selbstsicher Auftreten, dem Gegenüber vermitteln das man stärker ist als ER / SIE, sie immer auf einen gewissen persönlichen Abstand halten, um ihnen keine Angriffsfläche / -Punkte zu geben. Prinzipiell alles und jedes dokumentieren. Bei Problemen mit den Angehörigen, immer an die PDL / GF verweisen. Zur Not (wenn es all zu arg wird) unter den anderen Bewohnern ein kleines Gerücht streuen. Wirkt oftmals Wunder bei den Prinzen und Prinzessinnen.

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