„Es muss gespart werden!“

Altenheime sind eine wahre Goldgrube für die Betreiber.  Mit dem Betrieb eines Altenheimes lässt sich richtig Geld machen, und das auf eine recht „interessante“ Art und Weise. Und der Artikel wird nicht besonders appetitlich sein, sondern eventuell das eine oder andere sensible Gemüt der Leserschaft irritieren.

Da auf den Stationen bereits die Mindestzahl an Pflege(fach)kräften arbeitet, die sich dank des neuen Pflegestärkungsgesetzes mit immer schwereren Pflegefällen befassen müssen, kann hier nicht mehr gespart werden. Die maximale Leistungsverdichtung hat in diesem Bereich schon stattgefunden. Mehr lässt sich nicht mehr „melken“, ohne dass die Pflege der Bewohner zusammenbricht.

Nun gibt es allerdings „Begleitsituationen“, die noch genügend Spielraum für Sparmaßnahmen lassen:

  • Das Essen

Jede Einrichtung hat eine Essenspauschale, die sie selbst bestimmen kann. In manchen Einrichtungen beträgt diese Pauschale gerade mal knapp 5 €, die das Essen eines Bewohners pro Tag kosten darf, incl. Getränke. Und es gibt Heime, in denen mit einer etwas höheren Pauschale kalkuliert wird. Diese Pauschale wird in der Gesamtrechnung nicht ausgewiesen, sondern ist ein interner Bestandteil der gesamten Kosten, die der Bewohner und seine Angehörigen bzw. das Sozialamt zahlen darf.

Ich selbst hatte in einer Einrichtung gearbeitet, die morgens von einer Bäckerei das Brot vom „Vortag“ geliefert bekam. Wenn wir das Brot aus den Tüten holten, um das Frühstück vorzubereiten, fühlte es sich alt und trocken an.

In einer anderen Einrichtung bekamen die Bewohner oft Reis als Beilage. Reis ist billiges Füllmaterial ohne Nährwerte und einfach wie schnell vorzubereiten. Reis lässt sich gut warm halten und wird beim Erwärmen, je nach Sorte, nicht klebrig. Oft war dieser Reis aber noch nicht ganz durchgegart. Und wenn man jetzt weiß, dass es Bewohner gibt, die auf den Felgen kauen oder schlecht sitzende Zahnprothesen haben… und dann Reis als Beilage?

Zudem wird in vielen Einrichtungen nicht mehr selbst gekocht, sondern das Essen aus einer Großküche angeliefert. Dieses Essen wird, genauso wie an so manchen Schulmensen, am frühen Morgen gekocht und entweder kurz vor Auslieferung oder vor Ort erneut erwärmt. So wird der am frühen morgen aufgeschnittene saftige Braten zu einer Schuhsohle, das Hähnchen faserig und das Gemüse schlapp und fad.

Erstaunlicherweise beschweren sich die Eltern sehr oft, massiv und zu Recht, wenn sie das so vorbereitete Schulessen ihrer Kinder erleben. Sie weisen auf den mangelhaften Nährwert des Essens hin. Komisch, dass das aber nicht in Senioreneinrichtungen passiert…

Aber es rechnet sich, denn das in Großküchen über in großen Mengen zubereitetes Essen ist in der Herstellung wesentlich günstiger. Es spart nicht nur an Lebensmittelkosten, sondern auch an fähigem Küchenpersonal, das direkt vor Ort in den Einrichtungen angestellt ist.

Das Essen, das so den Bewohnern vorgesetzt wird, ist zerkocht, enthält kaum noch irgendwelche Vitamine oder ihre Vorstufen. Es ist zu einem reinen Sättigungsmedium degeneriert.

Das wirklich beste Essen für die Bewohner erlebte ich in einer Einrichtung der Alexianer. Der Koch war vor Ort. Das Essen kam direkt aus der Küche in den Speisesaal. Der Anteil an Gemüse war höher als der Anteil an Fleisch. Das Essen war richtig gut gewürzt, und selbst wenn es nur vegetarisches Essen gab, war es eine Delikatesse.  Und das in einer Einrichtung, in der nur Demente leben. Jeden Morgen kam der Kochduft aus der Küche ins Haus. Ich sah viele Bewohner, die dann versuchten zu erriechen, was es zu Mittag gibt. Am besten roch wirklich immer die Erbsensuppe, die es samstags gab. 

  • Die Wäsche

Achtung, jetzt wird es gleich etwas unappetitlich und es könnte das eine oder andere „Kopfkino“ stattfinden. Weiterlesen auf eigene Verantwortung!

Viele von uns kennen die Horrortage: Montag – Mittwoch – Freitag. Das sind die Tage, an denen in vielen Einrichtungen den Bewohnern auf ärztliche Anordnung Macrogol verabreicht wird. Ziel ist, dass die Bewohner wenige Stunden danach so richtig abführen.

Jetzt bitte ich dich, dir folgende Pflegesituation vor Augen zu führen: 2.5 Pflegekräfte kümmern sich im Frühdienst des Folgetages um etwa 29 Bewohner (eine im übrigen sehr gute Besetzung!). Beinahe alle der Bewohner sind inkontinent und mit Vorlagen versorgt. Je nach Zustand des Bewohners trägt dieser entweder normale Vorlagen oder aber geschlossene. Diese Vorlagen, von manchen Menschen leider auch „Windeln“ genannt, dienen dazu, FLÜSSIGKEIT aufzunehmen. Aber keinen Stuhl, der massiv und voluminös ausgeschieden wird, wenn vorher Macrogol gegeben wurde.

Nun nur nochmal kurz in Erinnerung gerufen: In meinem (realen) Beispiel spreche ich von 2.5 Arbeitskräften, die sich um 29 Bewohner kümmern müssen und Vorlagen, die zwar Flüssigkeit aufnehmen, aber keine festen Bestandteile.

Warum ich das jetzt so dezidiert erwähne? Ganz einfach: aus Kostengründen werden in vielen Einrichtungen die Anzahl von Waschlappen und Handtüchern reduziert, in dem der Reinigungszyklus herunter gefahren wird. Früher war es üblich, dass wir jeden Tag mit sauberer Wäsche rechnen konnten, da sich die Wäschereien in den Einrichtungen befanden. Aus Kostengründen wurden diese Wäschereien in etwa 99% der Einrichtungen geschlossen und an externe Dienstleister ausgelagert. Sie gingen den Weg der Einrichtungseigenen Küchen.

Jetzt wird es „tricky“ für mich, kurz das damit verbundene Prinzip der Gewinnmaximierung darzulegen, ohne dich, den Leser, zu langweilen. Es ist so einfach, dass es schon wieder kompliziert wird.

Ich unterstelle einmal, dass das folgende beschriebene Prinzip von allen Betreibern, ob kommunal, kirchlich oder Investoren getrieben betrieben wird. Man greift auf eine eigene „externe“ Wäscherei zurück, die unter einem anderen Firmennamen läuft und eine eigene Buchhaltung hat. Diese Wäscherei stellt in eigenem Namen Rechnungen aus. Diese Rechnungen reduzieren nun den Ertrag der Alteneinrichtungen und damit letztendlich den Gewinn. Und hier gilt es nun zu sparen. Was ist jetzt einfacher, die „Waschtage“ zu reduzieren? Von vier auf zwei? Und gleichzeitig die Anzahl der Waschlappen und Handtücher?

Ich hoffe, ich konnte eben kurz die wirtschaftlichen Hintergedanken darlegen.

Jetzt fragst du dich sicherlich, warum ich knapp vorher so ausführlich über die Macrogoltage geschrieben habe. Das ist ganz einfach: wenn 2.5 Kräfte sich um 29 Bewohner kümmern müssen, die an mindestens drei Tagen massiv Kot ausscheiden, ist damit zu rechnen, dass trotz größter Bemühungen es uns Arbeitskräften nicht möglich ist, alle Bewohner rechtzeitig auf Toilette zu begleiten oder im Bett frisch mit Vorlagen zu versorgen. Wir schaffen es einfach nicht!

Nun zur Wäsche. Es ist einer der „Abführtage“ und wir werden mit Situationen konfrontiert, an die wir uns leider gewöhnen müssen. Wir sehen das rückwärtige Antlitz eines Menschen mit angetrocknetem Stuhl oder aber Stuhl, der bei bettlägrigen Frauen nach „vorne“ gedrückt uns entgegen duftet.

Oft ist die Haut dieser Menschen durch Krankheit oder aber langjährige Einnahme von Kortison und anderen Medikamenten extrem empfindlich, so dass diese Haut leicht reißt, wenn man über sie wischt. Und wir schauen in die Schränke, Schubladen, Wäschewagen und Läger und finden keine Waschlappen. So nehmen wir normales Toilettenpapier, das von der Haptik her sicherlich nicht mit einem „vierlagigen reißfesten extrasoften“ Klopapier zu vergleichen ist. Wir haben keine Einweg-Waschlappen zur Verfügung, die wir anfeuchten können, um so sanft und schonend eine Intimreinigung vorzunehmen. (Das geht aus Gründen des Sparzwanges nicht).

Gerade bei Frauen ist aufgrund der Anatomie eine gründliche Intimpflege erforderlich. Das ist umso tragischer, wenn diese Frauen bettlägrig sind. Wir müssen dann, aufgrund mangelnder Mittel mit dem rauen Klopapier so massiv in ihre Intimsphäre eingreifen.

Es versteht sich, dass dann irgendwann dann doch einer der raren Waschlappen zum Einsatz kommt. Und da wir nicht die Mittel zur Hand haben, eine gute Vorreinigung vorzunehmen, ist der Verschmutzungsgrad des Lappens entsprechend groß. Und so auch der der Handtücher. Da wir Pflegekräfte dazu angehalten werden, die Waschlappen vorher gründlich auszuwaschen, bevor wir sie in den Wäschesack werfen, ist es verständlich, dass hin und wieder der eine oder andere Waschlappen im Müll entsorgt werden muss. Und selbst, wenn nur eine leichte Verunreinigung vorliegt, gehören Waschlappen und Handtücher anschließend in die Wäsche und nicht mehr ins Badezimmer an den Wäschehaken.

Wenn man sich nun noch mal in Erinnerung ruft, dass aufgrund von Sparmaßnahmen die Anzahl der Waschlappen und Handtücher reduziert ist, eine tragische Situation, die kaum jemand wahrnimmt, weil man über das Thema „Stuhlgang und Reinigung“ in der Gesellschaft nicht spricht. Es handelt sich um ein Tabu.

Meine schlimmste Erfahrung in dieser Situation war, dass mir gegenüber eine „Hausdame“ sagte, dass wenn wir nicht sparsamer mit Waschlappen und Handtüchern umgingen, künftig nur noch zwei Waschlappen und zwei Handtücher pro Bewohner pro Woche ausgegeben würden. Diese Ansage zog mir wirklich den Boden unter den Füßen weg.

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr ausreichende Reinigungsmittel zur Hand, wenn die Abführtage anstehen? Oder sind bei Euch auch alle Dinge knapp?

Lasst mich das wissen. Sei es drüben auf Twitter oder aber hier als Kommentar.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

 

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11 Kommentare zu „„Es muss gespart werden!“

  1. Bei meinem letzten AG wurde z.B.: Tiefkühlkuchen bei LIDL für 1,99 €uro gekauft! Dieser wurde dann verkauft für 2,00 €uro pro Stück. Macht summa summarum bei 12 Stücken einen VK von 24,00 €uro! Ergo einen Gewinn von ca. 22,00 €uro. Auf meine Frage: Was passiert mit dem Gewinn? Bekam ich keine / nie Antwort. (Hinweis: der AG ist ein EINGETRAGENER VEREIN)

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  2. Wäsche ob es die zum Waschen der Bewohner ist, oder Bettwäsche oder sogar Privatwäsche, also Kleidung. Seit den Ausgliederungen der Wäscherei in Senioreneinrichtungen gibt es Probleme.
    Wenn zum Beispiel Kleidung der Bewohner falsch gewaschen wurde und Schäden enstanden, wer bekommts vor die Füße geschmissen, von den Angehörigen? Die Pflegekraft. Krankenunterlagen nicht vorhanden? Na ja dann nahmen wir Müllsäcke und darauf wurde ein Stecktuch gelegt. Wenn Waschlappen fehlten, nahmen wir Kopfkissenbezüge, fehlten Handtücher nahmen wir Bettlaken zum abtrockenen.
    Ach ja am Inkomaterial kann ja auch gesprart werden. Es wurde die preiswerteste Firma genommen, das Material schlechter als von guten Hersteller. Davon benötigte die Pflegekraft für den Bewohner mehr. Folge, der Bewohner musste und muss zu zahlen. Wer bekommt die Vorwürfe der Angehörigen ab? Die Pflegekraft.
    Wenn es um das Essen der Bewohner geht, kenne ich das so.:
    Morgens Milchsuppe, Pudding oder Gries, lässt sich leichter und schneller anreichen, zum Beispiel bei Bettlägerigen. Weißbrot wird mit Kaffee klein gedrückt, und dann angereicht, geht schneller.
    Mittags Essen aus der Großküche wie oben beschrieben. Abends wurde dann das Brot mit Tee kleingedrückt, geht ja schneller beim Anreichen.
    Ach diese wahren Geschichten rund um Pflege in Senioreneinrichtungen mussten mal an die Öffentlichkeit. Danke für deinen blog Frau Sofa.

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  3. Oha. Das Wäscheproblem kenne ich auch. Besonders am Wochenende.
    Täglich bekommen wir 2 Wäschewagen, die Waschlappen, Handtücher, Bettwäsche und Mundtücher beinhalten. 1 Wagen pro Flur.
    Außer halt am Wochenende oder an Feiertagen. Regelmäßig stehen wir montag morgens vor fast leeren Wäschewagen und fragen uns wie wir arbeiten sollen.

    Bei uns hat sich schon der „running Gag“ „dann wird heute nur abgestaubt“ eingelebt, obwohl es natürlich alles andere als ein Gag ist. Wir haben uns schon oft darüber beschwert und nach mehr Wäsche verlangt, und was bekamen wir als Antwort? „Zu teuer. Jede Station hat ein festes Kontingent. Geht sparsamer damit um“.
    Was soll das heißen, „sparsamer umgehen“? Nur jeden 2. Bewohner waschen? Mit einem Waschlappen über die ganze Station huschen? Betten schmutzig lassen? Die neue Wäschelieferung für den Tag kommt immer erst am späten Vormittag. Soll man das Waschen dann also dem Spätdienst überlassen?

    Was tut man also? Improvisieren. Alles was da ist und Flüssigkeit aufsaugt, wird zum waschen und trocknen verwendet. Bettwäsche, auch schon mal ein Unterhemd aus dem Kleiderschrank. Die guten alten Netzhosen werden wiederverwendet, wenn sie noch sauber und nicht kaputt sind.

    Eine Angehörige hat sich mal kräftig beschwert, als sie mitbekommen hat, dass die Mutter mit einem Unterhemd abgetrocknet wurde. Ich habe mich natürlich entschuldigt und sie auf die Gegebenheiten hingewiesen, sowie ihr unser Beschwerdemanagement vorgeschlagen. Schriftlich hinterlegen wollte sie aber nichts, aber mit der Leitung sprechen. Was dabei herausgekommen ist, habe ich leider nie erfahren. Ist schon mehrere Jahre her. Da wir das Problem aber bis heute haben, ist da offenbar nicht viel passiert.

    Gefällt 3 Personen

      1. ein freier Träger. Kein kirchlicher (da würde ich aus diversen Gründen nicht arbeiten wollen. Was auch mal eine ausführliche Diskussion wert wäre. Vielleicht schreibe ich dazu konkret auch mal was)

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  4. Wir werden dazu angehalten, jeweils ein Oben- und ein Unten- Handtuch eine Woche lang zu benutzen; Waschlappen ebenso. EINE WOCHE, ALSO SIEBEN TAGE !!!!Sind sie stark verschmutzt, “dürfen“ wir schon wechseln, aber bitte immer an die Kosten denken. Auf diese unsinnige, unhygienische Idee kam eine vom Haus bestellte Dame, deren Job es ist, in Pflegeheimen die Wäschepreise zu senken.
    Ich könnte kotzen, kann aber nicht; nicht, das ich noch meine Arbeitskleidung beschmutze…

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    1. Ganz ehrlich? Ich bin schockiert! Das, was bei Euch praktiziert wird, klingt wie die Androhung der „Hausdame“ damals mir gegenüber.
      Wie wehrt Ihr Euch? Habt Ihr die Angehörigen informiert oder „angespitzt“?
      Und noch eine Frage: was für ein Träger hat das Haus? Kirchlich? Investorengetrieben? Kommunal? Privat?

      Gefällt 1 Person

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