Bauliche Anpassung?

Warum wird eigentlich in den wenigsten Alten- und Seniorenheimen nicht berücksichtigt, dass wir es in der Pflege schon jetzt,  künftig aber noch mehr, mit immer mehr adipösen Menschen zu tun haben? Mit Menschen, die einen BMI jenseits der 30 haben?

Dass manche Betten an ihre Leistungsgrenze gehen, daran haben wir uns bereits gewöhnt. Dass manche Rollstühle aufgrund ihrer Breite nicht mehr durch Badezimmertüren passen, daran auch. Aber was ist mit den ganz normalen Toilettenschüsseln?

Diese sind oftmals so gebaut, dass junge bewegliche Menschen darauf Platz nehmen können. Alte Menschen aber, mit Arthrose oder anderen Gebrechen, haben massive Probleme, sich darauf zu setzen bzw. sich möglichst ohne Hilfe davon zu erheben.

Dann muss die Sara wieder ihren Dienst tun, um den Besuch dieser Stätte, des Klos, für den Bewohner sicher zu stellen. Nun ist dieser Mensch aber adipös und dazu noch ein Mann.

Und jetzt wird es heikel:

Muss dieser Mann abführen, meldet er sich. Also holen wir die Sara und hieven ihn damit auf die Toilette. An sich sollte das eigentlich kein Problem sein, wenn die Schüssel nicht Normmaße hat. Also haben wir ein Problem, das wir nicht zu lösen wissen. Setzen wir ihn so auf die Schüssel, dass sein Stuhlgang sauber abgehen kann, hängt sein „Hannes“ über der Brille und er uriniert auf den Boden. Setzen wir ihn aber so, dass sein „Dingens“ in die Schüssel geht, sitzt sein anderes Ende auf der Klobrille; die Folgen kann sich jeder, auch ohne Phantasie, ausmalen. Egal wie, wir müssen anschließend putzen, und es interessiert keinen, ob wir Fachkräfte oder Helfer sind. Es liegt allein an uns, den Bereich zu reinigen und anschließend zu desinfizieren.

Okay, es gäbe da eine Möglichkeit, das Dilemma zu minimieren, nämlich, in dem man die Urinflasche einsetzt. Jetzt ist es aber so, dass dieser Mann aus verschiedenen Gründen, u.a einer Hemiphlegie, die Flasche nicht halten kann. Sicherlich könnten wir das für ihn übernehmen, also die Flasche halten, wenn nicht dieser Mann rund 15 Minuten pro Gang benötigt. Und wenn er, wie in den vergangenen Tagen an Durchfall litt, mehrfach 15 Minuten pro Schicht.

Jetzt waren wir all die Tage nicht gut besetzt, was das Pflegepersonal anbelangt. Heute z.B. waren wir nur zu zweit. Wenn dieser Mann nun aufs Klo muss, ist eine Kraft gebunden. Und das eine ganze Zeit lang. Das bedeutet, dass die andere Kraft allein Essen anreicht, für eine ausreichende Getränkeaufnahme sorgt, lagert, Vorlagen wechselt und mobilisiert. Für Gespräche, Beschäftigungen, basale Stimulationen, Zuhören, gangunsichere Menschen begleiten usw. bleibt keine Zeit. Die Arbeit degeneriert zu einer Fließbandtätigkeit. Laufen, lagern, frisch machen, Getränke anreichen…. wir Pflegekräfte stehen unter Strom.

Egal, welche Lösung wir nutzen, wir entwürdigen diesen adipösen Mann ungewollt. Entweder sitzt eine von uns die gesamte Zeit vor ihm und hält die Urinflasche an seinen „Willi“, oder aber er bekommt mit, wie sehr er den Bereich, egal oben (Toilette) oder unten  (Boden), verunreinigt hat. Und das tut uns weh! Abgesehen davon, dass wir uns bei dieser Aktion wie unwürdig fühlen. Nicht nur er, sondern auch wir, werden degradiert.

Was mich an dieser Situation, die öfter passiert als gedacht, ärgert ist, dass der Betreiber der Einrichtung nicht in der Lage zu sein scheint, pro Wohnbereich mindestens zwei Toiletten für adipöse Bewohner einzubauen, die neben größeren Schüsseln dazu noch in einer Höhe installiert sind, dass man keine Aufstehhilfe wie die Sara verwenden muss. Die den Betroffenen helfen, selbstbestimmt und würdevoll selbst ihr Geschäft zu verrichten.

Und mir zeigt es wieder tagtäglich, dass wir Altenpfleger von manchen Betreibern von Einrichtungen wirklich wie der letzte Dreck behandelt werden, was wir bei weitem nicht sind. Es ist egal, wieviel Scheiße wir wegwischen, es scheint wohl wichtiger zu sein, dass wir es tun. Und wenn es die Scheiße ist, die aufgrund mangelhafter Zustände vom Boden aufgewischt werden muss. Zu mehr scheinen wir nicht befähigt zu sein. Diese Behandlung widert mich einfach nur noch an!

Habt Ihr bei Euch ähnliche Fälle dieser Art? Wenn ja, wie geht Ihr da vor? Lasst mich das bitte wissen. Sei es hier über die Kommentarfunktion oder aber drüben auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

 

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Ein Kommentar zu „Bauliche Anpassung?

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