Meine Patientenverfügung

Jede und jeder von uns sollte schon sehr früh eine Patientenverfügung formulieren.

Meine Verfügung wird in etwa so aussehen, für den Fall, dass ich dement und zahnlos bin, ich mich in einer Pflegeeinrichtung befinde, weil ich nicht das Glück hatte, einfach tot um zu fallen.

Ich mag keinen Milchreis, keine Milchsuppe und Haferschleim. Und ich hasse dieses chemisch angefertigte und irgendwie gelb aussehende Rührei  mit diesem ekelig grünen und faden Spinat. Ich liebe Zwiebeln, Knoblauch, Kräuter, Möhren, Tomaten, Kohl (außer Blumenkohl und Brokkoli), Kartoffeln, Nudeln, Leberwurst, Lammfleisch, Rindfleisch, aber selten Huhn und bitte nie Pute. Außerdem hasse ich es, wenn man mir das Essen stehend anreicht und mir nicht zeigt, was ich da eigentlich esse.

Ich liebe Musik, aber bleibt mir mit deutschsprachigen Schlagern und Volksliedern weg! Ich möchte nicht am Tisch sitzen und andauernd „Kommt ein Vogel geflogen“ oder „Das Wandern ist des Müllers Lust“ usw. hören, schlimmstenfalls von einer Person mitgesungen, die weder die Melodie, noch den Text kennt. Deep Purple, Dire Straits, The Queen, The Who, Triumvirat, Hermann van Veen, Konstantin Wecker, Leonard Cohen, Johnny Cash usw. will ich hören. Aber bitte keine Helene Fischer oder wie diese Hüpfdohlen alle heißen mögen. Klassik auf jeden Fall. Westhoff, Schmelzer, Brahms, Beethoven, Telemann, Gambenmusik, Violas, Dvorak, Sibellius, Smetana… Mit diesen Musiken könnt Ihr  mich begeistern.

Und ich liebe Gewitter und den Frühsommer. Deshalb lasst mich Blitze und Donner sehen und hören, und fahrt mich im Frühsommer in den Garten in die Sonne. Legt meine Arme frei und mein Gesicht. Ihr dürft mir auch gerne das Oberteil ausziehen, damit ich Sonne und somit Vitamin D tanken kann. Das Sonnenlicht wird mich psychisch positiv beeinflussen.

Bleibt mir überhaupt weg mit diesen Sing- und Klatschveranstaltungen, die nur deshalb abgehalten werden, um dem MDK, der Heimaufsicht und den Angehörigen zu zeigen, dass sich der Sozialdienst so ach so sehr kümmert. Ich will, dass man mir die neuesten Nachrichten vorliest, egal wie dement ich bin. Ich will auf keinen Fall wie ein Kleinkind behandelt werden, sondern wie ein erwachsener Mensch.

Zudem verfüge ich, dass ich nie mehr als fünf Medikamente auf einmal verordnet bekomme.  Zehn oder 15 Medikamente pro Gabe sind für mich tabu. Deshalb verlange ich, dass die behandelnden Ärzte sich untereinander austauschen und wegen Wechselwirkungen oder massiven Nebenwirkungen die Medikamentengabe auf das Notwendige reduzieren. Denn ich weiß, dass das Alter sich mit Medikamenten nicht umkehren lässt und ich niemals wieder als junge Frau das Heim verlassen werde.

Und was ich überhaupt nicht will, ist folgendes:

Sollte ich eines Tages so dement sein, dass ich nichts mehr mitbekomme, ich keine Mimik mehr zeige, nur noch wimmere oder andere Laute von mir gebe und sich meine Körperfunktionen nur noch auf Schlafen, Atmen und Verdauen/ Ausscheiden konzentrieren, ich dazu noch massive Kontrakturen entwickelt habe, verfüge ich hiermit, dass mir niemals eine PEG gelegt werden soll,  nur um mich über die Nahrung jahrelang am Leben zu erhalten. Für diese Situation bestimme ich: erhöht die Fentanylgaben und gebt mir im Finalstadium Morphin. Lasst mich sterben! Und verdient nicht weiter an mir!

Ich will dann im billigsten Sarg im Krematorium verbrannt werden. Und meine Asche soll irgendwo ausgestreut werden. Denn, wenn ich tot bin, wird mich nichts mehr hier halten.

Diese Punkte werden alle in meiner Verfügung stehen. Und es werden sicherlich noch mehr dazu kommen. Da bin ich mir sicher.

Habt Ihr schon für Euch eine Patientenverfügung formuliert? Wenn ja, welche Punkte beinhaltet sie? Lasst mich das doch bitte wissen. Sei es hier als Kommentar oder drüben auf Twitter.

In diesem Sinne

Eure

Frau Sofa

 

 

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2 Kommentare

  1. […] Die Menschen, die heute in den Pflegeeinrichtungen sind, hatten alle in der Schule das Fach „Schönschrift“. Es finden keine Gruppen statt, in denen versucht wird, über bestimmte Übungen den „Pinzettengriff“ und bestimmte motorische Bewegungen mit den Fingern und den Händen zu erhalten. Gerade diese Übungen mit beiden Händen, die bestenfalls gleichzeitig zwei unterschiedliche Bewegungen ausführen, helfen dem Gehirn, synaptische Verbindungen im Gehirn aufrecht zu erhalten oder neu zu formen. Wenn dazu noch das haptische Erlebnis kommt, nämlich unterschiedliche Materialien zu fühlen, kann es sein, dass zuerst ansatzweise, regelmäßig geübt, auch später bestimmte Erinnerungen wieder zurück kommen. Stattdessen werden die Bewohner zusammen“gekarrt“, um dann gemeinsam irgendwelche Volkslieder zu singen oder aber absolut unpädagogisch (weil man es irgendwo gelesen hat) mit rhythmischen Instrumenten bespasst. […]

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