Altruistisch?

Altruismus (lateinisch) bedeutet in der Alltagssprache „Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise“,[1] kann bis heute jedoch nicht allgemeingültig definiert werden.[2] Der Begriff ist nach seinem „Schöpfer“ Auguste Comte ein Gegenbegriff zu Egoismus und umfasse demnach eine absichtliche Verhaltensweise, die einem Individuum zugunsten eines anderen Individuums mehr Kosten als Nutzen einbringe.[3] Andere Autoren, wie beispielsweise Humberto Maturana, Charlie L. Hardy und Mark van Vugt oder David Miller und David Kelley, gehen davon aus, dass altruistisches Handeln zwar nicht mit einem unmittelbaren Nutzen oder Gegenwert verknüpft sein muss, aber schließlich – auf lange Sicht – der Vorteil des Handelnden größer sei als die aufgewandten Kosten.[4][5] Andere Wissenschaftler wie Jonathan Seglow legen in ihrer Definitionsvariante dar, dass Altruismus nicht erzwungen werden könne, ohne seinen altruistischen Charakter zu verlieren.[6] Daraus wird geschlossen, dass altruistisches Verhalten eine freiwillige Handlung und somit eine freie Entscheidung des Handelnden darstelle. Altruistisches Verhalten kann ein Leitbild bzw. Ideal im religiösen Kontext darstellen (Nächstenliebe).

Quelle

Pflege ist „weiblich“. Frauen pflegen ihre Kinder. Das zu jeder Zeit. Und sie pflegen die Familie und die „Alten“. Sie pflegten ihre im Krieg verletzten Männer, führten gleichzeitig die Haushalte und sorgten, wenn erforderlich, zudem für das Einkommen, um die Familie ernähren zu können. So das traditionelle Frauenbild, das bis vor wenigen Jahrzehnten noch in unserer Gesellschaft galt. Denn sie war primär Mutter und für die Pflege von uns Kindern verantwortlich. Mama war da, wenn wir krank waren. Mama schützte uns vor der Strenge des Papas. Mama war devot ihm und herzlich streng voller Liebe uns gegenüber.

Dass Frauen pflegten, war und ist normal. Und es wurde gesagt, dass Pflege im Naturell einer Frau läge, sie einfach nicht anders könne. Und aus diesem Grund wurde und wird die Pflege durch Frauen auch heute noch als gesellschaftlich selbstverständlich erachtet.

Es gehört sich also immer noch, dass Frauen pflegen. Der Mann, um mal ganz populistisch in traditioneller Art zu sprechen, ist lediglich für das Haushaltseinkommen zuständig. So hieß es noch im letzten Jahrhundert und so handhabt es die Wirtschaft. Meine Mutter brauchte um 1968 noch die schriftliche Zustimmung meines Vaters, dass sie als Ehefrau und Mutter einem Beruf nachgehen durfte. Ohne seine Zustimmung durfte bzw. konnte sie  nicht arbeiten.

Da die Pflege durch Frauen offensichtlich immer noch in ihrem Naturell zu liegen scheint, ist es für die Arbeitgeber auch nicht erforderlich, die Bezahlung entsprechend dem der Männer anzupassen.

Wir Frauen haben uns leider schon längst daran gewöhnt, dass wir für die gleichen Tätigkeiten rund 21% weniger verdienen als die Männer. Wir sind es gewohnt, durch Medien und die Gesellschaft geprägt, uns unserem Schicksal zu ergeben. Und weil Pflege „weiblich“ ist, ist es logisch und selbstverständlich, dass Frauen dafür auch nur knapp bezahlt werden. Und so sehen auch die Tarifverträge in der Pflege aus.

Nicht, dass ich jetzt den Tarifen unterstelle, sexistisch und frauenfeindlich zu sein. Aber es ist so, dass es für Frauen, die in der Pflege tätig sind, wesentlich schwerer ist, eine außertarifliche Vereinbarung zu erzielen als für einen Mann. Denn für uns ist es normal, zu pflegen. Wir sind ja Frauen.

Weder die Gewerkschaften noch die Frauen selbst trauen den Frauen in der Pflege wirkliche Fachkenntnis zu. Wäre das nämlich der Fall, hätten die Pflegeberufe, egal ob in der Altenpflege oder aber in den Kindergärten oder Krankenhäusern, eine stärkere Lobby, sowohl gesellschaftlich, politisch, gewerkschaftlich, medizinisch wie auch rechtlich.

So wie familiäre Pflege durch Angehörige, meist Frauen, auf einem äußerst erbärmlichen Niveau renten- und sozialversicherungspflichtig vergütet wird, wird auch in der Politik das Recht der beruflich Pflegenden nicht gestärkt. Und wenn ich von beruflich Pflegenden spreche, meine ich implizit auch die Kollegen und Kolleginnen in den Krankenhäusern, die genauso wie wir Altenpfleger, am Ende ihrer Leidensfähigkeit angekommen sind. Und die Konsequenzen ihres Wehrens wird, weil rechtlich möglich, sanktioniert! Das Gleiche gilt für uns in der Altenpflege.

Besonders uns Frauen wird gesellschaftlich das Recht abgesprochen, uns gegen bestimmte Anreden und Satzformen zu wehren. Selbst von Geschlechtsgenossinnen geäußert, was für mich in der heutigen Zeit mehr als erschreckend ist.

Schade eigentlich. Dennoch werde ich mich nicht beirren lassen, sondern weiterkämpfen, über die Beschreibung der Zustände in der Pflege eine Aufwertung unseres Tuns, als pflegende Angehörige sowie beruflich Pflegenden in allen Bereichen zu erzielen.

Und nein, ich werde – wie schon seit Langem – nicht mehr altruistisch denken und handeln. Denn ich gehöre nicht zu der ultimativen Lösung der Probleme in der Pflege.  Die Probleme in der Pflege können nur seitens der Politik, der Rechtsprechung und ethischer Richtlinien der Wirtschaft erreicht werden. Ich selbst bin nur eine kleine Figur in dem gesamten Spiel, die sich weigert, weiterhin altruistisch zu agieren.

Die „freie soziale Marktwirtschaft“ gibt es nicht in unserem beruflichen Sektor „Pflege“. Denn die Akteure in diesem Bereich, sei es der aus der Wirtschaft wie auch der aus der Pflegeindustrie, erwarten bzw. erhoffen, dass wir Pflege(FACH)Kräfte uns altruistisch, sich immer um das Wohl der Anvertrauten sorgend, still schweigend unserem Schicksal ergeben.

Wir Pflegekräfte brauchen dringend eine schlagkräftige Gewerkschaft – ähnlich wie die der Piloten. Ver.di ist hierfür nicht geeignet, aufgrund derzeitiger Aktivitäten. Persönlich sehe ich mich außerstande, aktiv eine Gewerkschaft zu gründen. Der Zeitaufwand wie auch die Kosten machen es mir unmöglich.

Es gibt aber einen Lichtblick, nämlich die Aktivitäten des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Pflegerat“, der offensichtlich über seine Kontakte und Beziehungen an einer Gewerkschaft zu arbeiten scheint.

Solange diese Gewerkschaft noch nicht existiert, gilt es für mich, neben der DIE LINKE besonders und explizit DIE PIRATENPARTEI zu unterstützen. Denn mein Altruismus ist hiermit beendet!

In diesen Sinne

Eure Frau Sofa

 

 

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