Kurzer Dienst

Seit einigen Tagen habe ich, weil offensichtlich zu teuer, nur sogenannte „kurze Dienste“, die nur max. 6,5 Stunden netto umfassen. Wie gesagt, aus Kostengründen, da ich als Leasingkraft allmählich zu teuer werde.

Dennoch habe ich meine Gruppe, die ich auch habe, wenn ich einen „normalen“ Dienst von 7,5 Stunden netto ohne die Schichtleitung zu sein habe. Elf Menschen, bis auf eine Person, höchst psychiatrisch auffällig, wollen/ müssen/ sollen zwischen 18:30 – 20 Uhr zu Bett gebracht werden. Denn um 20:15 Uhr ist meine Buchung beendet, und ich brauche auch Zeit für die Dokumentation meines Tuns So verbleiben mir 90 Minuten für die Bewohner. Und da es elf sind, sind es knapp 8.2 Minuten PRO Mensch.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Und in einem solch engen Zeitrahmen darf nichts passieren. Rein gar nichts. Es darf keine Frau Schrödling geben, die in ihre Vorlage fasst und laut lachend sagt: „Schau mal..“ und sich dann „damit“ einreibt. Und es darf keine Frau Knobicher geben, die in der Zwischenzeit ihre nasse Vorlage zerpflückt und das nasse Gel in ihrem Bad, auf ihrem Bett  und auf ihrem Betttisch verteilt hat. Dazu gilt es noch, Frau Gelbst etwas zu trinken anzureichen, damit sie an einer subcutanen Infusion vorbei kommt. Eigene Toilettengänge oder aber Trinken rauben Zeit!

DAS alles darf nicht dazwischen kommen. Und auch kein Küchendienst, nur weil Wochenende ist und keine Servicekraft ihren Dienst tut.  Deshalb vor einigen Tagen mein Statement in eigener Sache:

kueche

Als ich vorhin nach Hause kam, schmerzten mir meine Beine. Ich kam kaum aus dem Wagen heraus, und die Treppen in meine Wohnung waren für mich beinahe unüberwindbar. Wie Frau Knobicher ging ich Stufe für Stufe…

Wir Pflege(Fach)Kräfte werden verbrannt. Von der Gesellschaft, von der Politik, vom Arbeitgeber, von unseren schweigenden KollegInnen. Und von letzteren weiß ich, dass auch diese schon auf dem Zahnfleisch laufen, sogar darüber nachdenken, ihr Examen zurückzugeben.

Und ich bin müde. Nur müde. Auch deshalb, weil ich merke, dass wir Pflegekräfte alle noch zu leise sind. Nur – wenn man in einer kirchlichen Einrichtung eingesetzt ist, die sich in ihren Arbeitsbedingungen außerhalb der regulären Gesetze bewegen darf… werden neue Gesetze kaum etwas bringen.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

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