Neue Klientel

Es ist passiert schon, ganz langsam und schleichend. Es hält eine weitere Klientel Einzug in die Pflegeheime, um die wir Altenpfleger uns kümmern müssen: ältere Menschen mit geistigen und/ oder körperlichen Behinderungen, die bislang zuhause von ihren Angehörigen versorgt wurden.

Dank des PSGIII kommen viele Senioren erst dann zu uns, wenn sie schwerstpflegebedürftig sind. Und es werden von uns immer mehr Behinderte versorgt, die eigentlich noch eine heilpädagigische Begleitung bräuchten. Allerdings sind wir Altenpfleger dazu (noch) nicht ausgebildet.

Wie umgehen mit Menschen mit Trisomie 21? Und es kommen die alten 68er zu uns, die sich in ihrer Jugend mit LSD und Co. vollgepumpt haben. Korsakov ist sowieso schon da. Also verändern sich relativ schnell die Aufgaben- und Verantwortungsgebiete in der Altenpflege. Auf diese sind wir nicht vorbereitet, sondern werden direkt mit ihnen konfrontiert. Dass diese Menschen noch mehr Aufmerksamkeit benötigen, sollte jedem klar sein. Aber unser Stellenschlüssel bleibt wie gehabt, und keiner von uns erhält eine spezielle Weiterbildung oder Qualifizierung, um die Kollegen und Kolleginnen fachgerecht auf diese Aufgaben vorzubereiten.

So werden diese Menschen in Pflegeeinrichtungen „geparkt“, gehen oft noch ihrer Berufstätigkeit in Behindertenwerkstätten nach und verbringen den Rest der Tage ihres Lebens im Kreise alter und sterbender Menschen, ohne aber besondere Förderungen oder Begleitungen zu erhalten. Dabei sind sie  noch in einem Alter, in dem sie an geordneten Tagesstrukturen aktiv teilnehmen können, sich sogar unter Anleitung das Essen selbst kochen können, ihre Zimmer aufräumen oder aber kleine Haus- und Gartenarbeiten übernehmen könnten, wenn wir #Altenpfleger denn dazu Zeit und Raum hätten.

Hierin sehe ich einen weiteren Skandal in der #Pflege auf uns zukommen. Denn wir Altenpfleger sind schon jetzt mit unseren Aufgaben überlastet. Und anscheinend interesseiert das niemanden in der Gesellschaft und Politik.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

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6 Kommentare

  1. Dafür braucht es in der Tat spezielle Angebote, die darauf ausgerichtet sind. Personell, fachlich und organisatorisch. Erstmals in der Geschichte der BRD werden Menschen mit Behinderungen betreuungsbedürftig alt. Kostenträger müssen die höhere Beanspruchung und das notwendige Personal dafür anerkennen. Wir haben unmittelbar aus der Einrichtung der Werkstatt heraus ein Angebot geschaffen (http://landesverein.de/de/107/senoirenwohnanlage.html), das eine gute Regerenz sein kann.

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  2. Komplexeinrichtungen sind dermaßen verschrien und gelten als Inklusionsverhinderer. Aber gerade diese ermöglichen eben spezielle Angebote für ältere Menschen mit Behinderung. Seniorentreffs, pflegespezialisierte Wohngruppen etc.

    Ist gegen den Zeitgeist, aber Ambulantisierung löst nicht nur Probleme, sondern schafft neue. Viel spannender wäre für mich der Ansatz, Komplexeinrichtungen zu neuen Mischquartieren zu entwickeln, statt sie mutwillig aufzulösen.

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  3. Eventuell kann aus der Notlage aber auch eine Win-Win-Situation entstehen, wenn die Betreuer die neuen Insassen nicht defizitorientiert ansehen sondern gemäß ihren individuellen Fähigkeiten einsetzen. Die neuen Bewohner können die Betreuer bei bestimmten Aufgaben bestimmt unterstützen.
    So kann jede Seite gewinnen.

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    • Könnten sie sicherlich, wenn das Pflegepersonal ausreichend Zeit dafür hätte. Da es Pflegeeinrichtungen auch heute (nur mit ganz wenigen rühmlichen Ausnahmen!!!) nicht schaffen, noch die verbliebenen Ressourcen der Bewohner zu aktivieren und mit in den Tagesablauf einzubinden,
      Tisch eindecken, beim Kochen mithelfen, die eigenen Zimmer herrichten, Wäsche zusammenfalten usw., dies alles unter Anleitung, findet nicht statt!
      Stattdessen erwarten die Angehörigen und die Bewohner eine Rundumversorgung, die alle Tätigkeiten übernehmen. Und das ist in die Struktur der Einrichtungen inzwischen Standard.
      Wenn nun vermehrt diese neue Klientel in die Pflegeeinrichtungen einziehen, treffen sie auf festgefahrene (weil immer schon so gemacht!!) Strukturen, die der Tagesgestaltung wie auch derm eigenständigen Leben das Wasser abgraben.
      Personalschlüssel werden nicht erhöht, noch werden Freiräume geschaffen, um sich fachkundig und pädagogisch weiterzubilden und diese Kenntnisse anzuwenden.

      Dabei bekommt auf die #Altenpflege eine immer wichtigere Aufgabe bzw. Verantwortung zu, die sie derzeitig nicht bewältigen kann. Und dieses ignorante Verhalten der Politik und der Multiplikatoren diesbezüglich macht mich wütend.

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  4. Zivildienst in einem Altenheim in der osdeutschen Provinz. Ende der 90-ziger Jahre.
    Neben den „üblichen“ Bewohnern auch 4 alkoholkranke Männer mit
    Beinamputationen. Alle 40-50 Jahre alt. Wurden auch nur verwahrt ohne spezielles Programm oder Förderung. Mit etwas Hilfe hätten die auch in einem eigenen Haushalt leben können.

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  5. In „meinem“ Altenheim lebt eine Frau *59 mit frühkindlichem Hirnschaden nach einer Meningitis.
    Die Eltern pflegten sie zu Hause, bis es nicht mehr ging;einige Jahre wohnten dann Eltern und Kind im AH.Der Vater verstarb schon vor Jahren, vor Kurzem auch die Mutter mit über Neunzig.
    Die Frau benötigte schon eine speziellere Pflege.
    Als sie einzog, hatte sie noch ihre Monatsblutung.Einige Kollegen behaupten, sie wäre blind und taub und würde auch nichts schmecken- das stimmt aber nicht.Sie reagiert auf meine Stimme in Zimmerlautstärke und spuckt manches Essen oder Trinken aus.

    In einem anderen AH habe ich eine Frau in den Sechzigern mit Downsyndrom betreut.Sie war sehr leicht zu führen, aber auch anders als die anderen Senioren.Sie passte in ihre freundlichen,kindlichen Art am besten in den geschützten Demenzbereich der Einrichtung und auch die Dementen sind aus dem Bauch heraus besonders mit ihr umgegangen.

    Wichtig ist, daß sich dann alle im AH zusammensetzen und überlegen, welche anderen Bedürfnisse diese Menschen haben,sich informieren und dann entsprechend handeln.

    Das ist glücklicherweise beide Male auch passiert.
    k d-j

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