Das Kamel und der Löwe

Neue Werte schaffen – das vermag auch der Löwe noch nicht: aber Freiheit sich schaffen zu neuem Schaffen – das vermag die Macht des Löwen.
Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder, bedarf es des Löwen.

So steht es bei Friedrich Nietzsche zu lesen. In dem Kapitel: „Von den drei Wandlungen des Geistes“ aus: „So sprach Zarathustra

Bevor der Geist zum Löwen wandelt, befindet er sich auf der Stufe des Kamels, das stolz ist, die Last zu tragen. Das Kamel ist nicht in der Lage, NEIN zu sagen.

Was ist das Schwerste, ihr Helden? so fragt der tragsame Geist, dass ich es auf mich nehme und meiner Stärke froh werde. Ist es nicht das: sich erniedrigen, um seinem Hochmuth wehe zu thun? Seine Thorheit leuchten lassen, um seiner Weisheit zu spotten?

Das Kamel steht für Nietzsche für einen Devoten und Altruisten, zu dessen Werten „Demut, Selbstverleugnung, Genügsamkeit, Folgsamkeit und Anpassungsvermögen an widrige Umstände,“ also die Bereitschaft der Leidensfähigkeit als DEN maßgeblichen Charakterzug hat. Eigentlich die ideale Beschreibung für diejenigen, die Altenpflege als Berufung sehen und nicht als Beruf, der Professionalität im Tun beinhaltet.

Dazu gehört nicht allein „Herzenswärme“ und „Lächeln“, sondern auch die Fähigkeit, also Wissen, erlangt durch Studium. Studium der Wissenschaft aus Teilbereichen der Medizin, Soziologie, Psychologie, Religionswissenschaften, Neueren Geschichte, Pflegewissenschaften und vielen mehr, korrekt und im Sinne des Bewohners im Pflegeheim effektiv anwenden zu können.

Deshalb stelle ich Personen wie Sandro Plett aka „Sandro Pé“ an den Pranger. Und mit ihm seine Claqueure, die ihm bereitwillig jedes Wort von den Lippen fressen.

Wenn ich mir diesen Sandro ansehe, der in der Leasing-Firma arbeitet, die ihm einen Sonderpreis wegen seines Interntauftritts hat zukommen lassen, der damit den echten Preisträger „Pfleger des Jahres“ in voller Fahrt hat im Nirvana der Unbedeutung geschossen hat (weil dieser Preisträger richtig im Beruf arbeitet?), wenn ich mir die Sprüche und Pseudo-Poesie-Bilderchen dieses Sandros ansehe und dabei mich an meine Pupertät erinnert fühle, dann weiß ich, dass viele Pflegkräfte auf der Stufe des Kameles stehen geblieben sind.

Seine Claqueure sind stolz, wenn sie ihre Lasten tragen können. Zum Löwen hat es bei ihnen noch längst nicht gereicht. Ihr Weg zum Löwen ist noch verdammt weit, Und manche von ihne werden diese Entwicklungsstufe (s. Zitat oben) nicht mal ansatzweise erreichen. Es ist so! Und es wird so bleiben! Denn Löwe zu sein, bedeutet, laut ein „NEIN!“ zu brüllen und destruktiv zu wirken. Nicht, um nur Schutt und Asche hinter sich zu lassen, sondern um die nächste Stufe einzuleiten, die Erneuerung bzw. Wiederaufbau bedeutet. Das ist die dritte Stufe, die im Text von Nietzsche als „Kind“ gezeichnet wird.

Zu diesem Bild des „Kamels“ passt die aktuelle Äußerung des Präsidenten des BDA, Ingo Kramer:

Wir brauchen junge Menschen mit normalen Schulnoten, aber viel Herzenswärme und Geduld gerade in der Altenpflege. Wenn wir sie mit Anforderungen eines Studiums ‚Medizin light‘ abschrecken und überfordern, verschärfen wir den Pflegenotstand.

Eine Äußerung, die die „Kamele“ heran züchtet, verwahrt und pflegt. Davon auszugehend, dass – wie Kramer sagt – in der Altenpflege Wissen nicht erfoderlich ist, sondern nur „Herzenswärme und Geduld“, ein Sandro Plett zudem, der Altenpflege als „just for fun“ und „Party machen“ betrachtet, dann sehe ich schon jetzt die Altenpflege auf eine echte Katastrophe hinaus laufen.

Und jetzt will ich mich aber noch um die „Löwen“ kümmern. Und hier gilt meine Schelte den öffentlichen Medien, wie z.B. Deutschlandfunk, ARD und ZDF. Bei den Löwen ist der „Mann“ der Pascha. Für die Nahrung und den Schutz des Nachwuchses sorgen allein die Löwinnen. Sie sind diejenigen, die um das Überleben kämpfen. Wie in der Wildfotografie wie auch in der medialen Öffentlichkeit werden nur die Männer aka männlichen Löwen wahrgenommen. Die kämpfenden Frauen aka Löwinnen hingegen gelten als schmuckes Beiwerk, das man vielleicht beobachtet, aber nicht weiter in den Fokus stellt. Dass die männlichen Löwen aka Männer vom Jagdtrieb der Löwinnen aka Frauen profitieren und diese für sich zu nutzen wissen, ist kaum jemanden bewusst.

Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit der Medien auf solche Hansel wie diesen für mich unerträglichen Sandro Plett aka Sandro Pé, ignorieren bewusst die Mehrheit, die nicht nur kompetent und wissend ist, sondern auch weiblich. Pflegehistorikerinnen, Pflegefachkräfte, Pflegewissenschaftlerinnen in und um Altenpflege.

Nun meine Frage an jeden der Leser: Wozu zählst du dich? Denke mal ganz genau über dein Handeln und deine Reaktionen nach. Und überlege dir, was du machst und was du gerne machen würdest. Und nun der schwierigste Part: Hast du eine Idee, wie du dein Ziel in der Altenpflege erreichen könntest? Liegt es daran, dass dir das Wort „NEIN!“, das den Löwen auszeichnet, so schwer über die Lippen kommt?

Lass es oder deinen Widerspruch gegen diesen Blogeintrag mich wissen. Am besten hier als Kommentar, damit andere Leser auch deine Meinung erfahren können. Sei mal mutig.

In diesem Sinne
Eure Frau Sofa

Post scriptum: Was manche von Euch sicherlich nicht wissen: Sandro Plett aka Sandro Pé arbeitet für das Unternehmen, das einen „Verein“ gegründet hat und in dessen Impressum steht, das den Preis „Pfleger des Jahres“ vergibt. Und Sandro Plett aka Sandro Pé hat NUR DEN SONDERPREIS erhalten!

5 Kommentare

  1. Hm – schwierig, aber interessant. Zuerst mal zu dem Herren, der Name kommt mir irgendwie bekannt vor 😉 Echt, ich kenne den nicht. Werde mich informieren. Auf Facebook, wo ich soeben seine Bewertungen gelesen hab, gibt es aber auch viel Kritik! Und die Claqueure – nunja. Facebook kann man schön manipulieren. Sollten die aber echt sein, dann ist es eben so.

    Jetzt der persönliche Part: Ich bin wohl keine Löwin. Das ist einfach meine Persönlichkeit. Nach fast einem halben Jahrhundert habe ich auch nicht mehr vor, das zu ändern. Im Heim damals hab ich versucht, so oft wie möglich über meinen Schatten zu springen, mit fatalen Folgen. Auch deshalb bin ich ja da raus – weil ich mich selbst unter Druck gesetzt habe.

    Allerdings bin ich oft mit Sachen gekommen, die andere gar nicht erst versucht haben – Betriebsrat gründen zum Beispiel (natürlich kläglich gescheitert). Ich finde, jeder sollte seins machen, also das, was der eigenen Persönlichkeit am besten entspricht. –> Übrigens hab ich irgendwann mein Handy abgeschafft. Dann war Ruhe, wenigstens im Frei, denn meine Festnetznummer hatten sie nicht. Man kann also auch tricksen! 🙂

    Gruß und danke für den interessanten Artikel. Und jetzt schaue ich mir mal Sandro Pe genauer an.

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