Ihr seid die Expertinnen und Experten guter Pflege!

Sehr geehrte Pflegekräfte!

Seit Jahren reden und schreiben Pflegende darüber, was alles schief läuft in der Pflege. Fast niemand hat zugehört. Obwohl: Es gab ja immer auch Ausnahmen wie mich. 😉
Jetzt hören viele zu. Deshalb lasst uns jetzt nicht darüber reden und schreiben, was gestern schief gelaufen ist, sondern darüber, was wir heute tun sollten, tun müssen, um heute und morgen besser da zu stehen: Was also braucht gute Pflege?

Menschen, die den Pflegeberuf ergreifen, wünschen sich den Kontakt zu Menschen, sie wollen zu einer höheren Lebensqualität dieser Menschen beitragen. Und natürlich wissen sie, dass sie dafür auch nachts und am Wochenende arbeiten müssen. Was sie aber brauchen, sind Zeit, Verantwortung und Freiräume, um gute Pflege umzusetzen zu können.

Ja, eine bessere Bezahlung, eine bessere Refinanzierung und mehr Personal sind nötig. Ja, Tariflöhne und spürbare Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste sind notwendig. Aber das Personal wächst nicht auf den Bäumen. Wir brauchen mehr Pflegekräfte, weil die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten 40 bis 50 Jahren ansteigen wird. Aber Achtung: Auch Pflegefachkräfte gehören zu den geburtenstarken Jahrgängen und werden ab 2020 vermehrt in Rente gehen. Wir müssen die Pflegenden, die dabei sind belohnen und bereits aus dem Beruf ausgeschiedene zurückholen.

Wir müssen über Arbeitsbedingungen reden.
Andere Länder – Schweden, Dänemark, die Niederlande – machen es uns vor, wie gute Pflege möglich ist: beste Ausbildung, mehr Vertrauen in die Pflege, mehr Verantwortung, sektorenübergreifendes Denken und Handeln und die gute Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe auf Augenhöhe.
Gute Medizin in Verbindung mit modernen Pflegekonzepten stehen im Fokus: Bezugspflege im Krankenhaus, neue Modelle zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Case Management im Stadtteil, Arbeit in selbstorganisierten Teams, Arbeits(zeit)modelle im Interesse von Pflegenden und Gepflegten. Niemand kann mir erklären, warum der Frühdienst um 6 Uhr anzufangen hat – nur weil es immer schon so war?
In Schweden gibt es das so genannte 3+3-Modell. Dabei wechseln sich drei Arbeitstage mit drei freien Tagen ab. Die Arbeitszeit liegt bei 85% einer Vollzeitstelle, wird aber voll bezahlt. Der Effekt: weniger Fehlzeiten, weniger Krankschreibungen, mehr Personal im Dienst!

Deutschland braucht auch dringend eine Diskussion, wie der demografische Wandel zu gestalten ist: Wer ist für die Daseinsvorsorge zuständig? Wie verhindert man Altersarmut auch im Alter? Wie verhindert man, dass Finanzinvestoren durch Spekulation in der Pflege profitieren?

Was gute Pflege jetzt braucht, sind vor allem selbstbewusst auftretende, gut organisierte Pflegefachleute – in einem Berufsverband, in einer Gewerkschaft und in einer Pflegekammer! Jeder Schritt zu einer starken Pflege geht über euch.
Also: Organisiert Euch! Ihr seid die Expertinnen und Experten guter Pflege.

Mit freundlichen Grüßen
Eure Kordula Schulz-Asche, MdB
Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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Ein Kommentar

  1. Hat dies auf Pflegekollaps rebloggt und kommentierte:
    Es ist Zeit für eine Pflegegewerkschaft. Ohne die Verdienste von Verdi zu schmälern müssen wir unsere vielfältigen, besonderen längst überfälligen Themen gemeinsam bündeln und vertreten. Jede, die eine Idee hat bitte hier kommentieren oder auf FB veröffentlichen. Ich habe auch keine Ahnung wie man eine Gewerkschaft gründet, aber wir sind so viele, kluge, ausdauernde überarbeitet und unterbezahlte Kollegen. Wir sind mehr als gut genug, das gemeinsam hinzukriegen.

    Gefällt mir

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