Der einsame Rufer in der Reha-Wüste……

So Leute, hebt die Steine auf, mit denen ihr mich bewerfen wollt, denn

 – Vorsicht, jetzt wird es wirklich eklig! –

„Ich fühle mich berufen!“

  • Ich fühle mich berufen, täglich Professionalität in der Pflege zu predigen
  • Ich fühle mich berufen, jeden Tag aufs Neue das Wort von den Vorteilen der Professionalisierung in der Pflege in die Welt zu tragen
  • Ich fühle mich berufen, ständig ein Loblied auf professionelles Arbeiten in der Pflege zu singen
  • Ich fühle mich berufen, die „Herz & Mut“ –Verkünder vom Gegenteil zu überzeugen und zur echten Lehre zu bekehren
  • Ich fühle mich berufen, immer wieder für selbstbestimmtes Arbeiten in der Pflege einzutreten

Und vor allem fühle ich mich dazu berufen, den Pflegekräften in der medizinischen Rehabilitation eine Stimme zu geben. Wir sind nicht viele, wir sind „nur“ 38.000, dennoch sind wir wichtig, da wir unseren Teil dazu beitragen, Pflegebedarfe zu reduzieren, zu vermeiden oder hinauszuzögern, Selbstpflege zu ermöglichen, vorzeitige Renteneintritte zu verhindern und Selbstbestimmung zu erhalten.

In der öffentlichen Wahrnehmung scheint den Einsatz von Pflegekräften in der Rehabilitation nahezu unbekannt, aber „die Öffentlichkeit“ ist ja oft auch noch davon überzeugt, daß Pflegekräfte Händchen halten, Kaffee trinken, Bettpfannen wechseln und Schneebälle sammeln…

Auch unter den Kollegen scheint nicht immer klar zu sein, was die Pflegefachkraft hier pflegerisch-therapeutisch so leistet, da wird dann auch mal die Kollegin beim Wechsel von der Chirurgie in die Reha mit den Worten verabschiedet, daß man sich ja dann bald zur Dekubitussanierung wiedersähe. Oder eine Bewerberin muss im Vorstellungsgespräch erstaunt feststellen, das in einer somatischen Reha-Klinik a) im Drei-Schicht-System b) am Wochenende und c) körperlich gearbeitet wird…

Dramatischer ist es, wenn innerhalb der Rehabilitationseinrichtungen der Stellenwert der Pflege marginalisiert wird. Als ich in „meiner“ Rehabilitationsklinik eingestellt wurde, hieß es im Vorstellungsgespräch, die Rehabilitation basiere auf drei Säulen: Medizin, Therapie und eben Pflege. Leider gehört nur eine der „Säulen“ der obersten Führungsebene an. Welche das wohl sein mag?

Bei uns funktioniert die kollegiale Zusammenarbeit dennoch gut, auch wenn mein Verwaltungsdirektor mir aufgrund meiner „Professionsbesessenheit“ manchmal eine Profilneurose unterstellt. Schaue ich aber über den Tellerrand, so muss ich mich doch wundern: eine Klinik drückt die Wertschätzung gegenüber der Pflege dadurch aus, dass sie die PDL wegrationalisiert und Pflege der Verwaltungsdirektion unterstellt, andere Kliniken starten „Pflegeoffensiven“ und laden Politiker zum Gespräch. Diese führen dann Chefärzte und Verwaltungsdirektoren ohne die Pflegedienstleitungen.

In der aktuellen Ausgabe des BibliomedManagers bedauert eine Geschäftsführerin mehrerer Reha-Kliniken zwar, das die Pflege in der Rehabilitation im Pflegepersonalstärkungsgesetz nicht berücksichtigt wurde, äußert aber gleichzeitig, dass es klüger wäre, mit mehr Rehabilitation und Therapie dafür zu sorgen, dass Menschen z.B. nach einem Schlaganfall keine Pflege bräuchten. Da frage ich mich dann aber doch, wer die Rehabilitanden in der Zeit,  bis sie ihre Fähigkeiten mit Hilfe der Therapeuten (!?)  wiedererlangt haben, betreut. Oder gehen dort die Therapeuten morgens auf die Zimmer und versorgen die Patienten? Wer schult im Umgang mit Medikamenten? Wer leitet an zur selbstständigen Vitalzeichenkontrolle? Wer berät zur Inkontinenzversorgung? Wer mobilisiert zwischen den Therapieeinheiten? Der Ökotrophologe oder der Psychologe?

Und wie sieht es auf den Verbandsebenen aus? Der Bundesverband Pflegemanagement bzw. meine Landesgruppe hatte bis zum Herbst noch nicht einmal bemerkt, daß Reha-Kliniken weder im Personalstärkungsgesetz noch in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung berücksichtigt wurden. Im DBFK ist  Rehabilitation in einer Fachgruppe mit Prävention, Suchtberatung, Case-Management und Gesundheitsförderung zusammengefasst. Wird auf einer neurologischen Phase C –Station Gesundheitsförderung betrieben oder wird dort womöglich gepflegt? Sehr spannend war auch die Tagung von Klinikverantwortlichen vorwiegend aus dem Reha-Bereich, an der ich einmal teilnehmen durfte (natürlich nicht wegen meiner Funktion, sondern eher zufällig):  In zahlreichen Vorträgen wurde einvernehmlich diskutiert, wie furchtbar die Nicht-Berücksichtigung der Rehabilitation in den Spahnschen Gesetzen sei. Wer nicht mitdiskutiert hat? Die Pflege! Warum? Weil keiner dabei war…

Das falsche Bild von Reha als Kurbetrieb zeigt aber sicherlich die schlimmsten Auswirkungen, wenn es in den Köpfen der politischen Entscheider existiert. Ein Landtagsabgeordneter fragte mich einst, ob für die Arbeit in der Reha tatsächlich eine vollwertige dreijährige Ausbildung notwendig sei. Warum denke ich da gleich an  „(In der Reha) Pflegen kann jeder“ ? Das Gesundheitsministerium behauptet sogar, in der Reha werde keine Akut- oder Langzeitpflege durchgeführt. Was glauben die, was wir hier machen? Kneipp-Bäder vorbereiten, Tee kochen, Tanz-Abende organisieren? Bei der Vorstellung könnte ich ja sogar fast nachvollziehen, das Rehabilitation im BMG quasi non-existent ist…..

Daher mein Appell an Politiker, Verbände, Einrichtungen und auch Kollegen, lasst mich kein einsamer Rufer in der Wüste sein, denn:

„ Wir arbeiten auch in der Reha professionell!“

  • Wir sind professionell, wenn wir  täglich unter Einsatz pflegetherapeutischer Konzepte unsere Patienten versorgen
  • Wir sind professionell,  wenn wir jeden Tag aufs Neue zur Selbstversorgung anleiten, befähigen und motivieren
  • Wir sind professionell, wenn wir mit dem Patienten in der Nacht Gespräche über seine Zukunftsängste führen, die ihn nicht schlafen lassen
  • Wir sind professionell, wenn wir „Kurgäste“ aufklären, das Eigeninitiative unabdingbar für eine erfolgreiche Reha ist
  • Wir sind professionell, wenn wir als Teil des therapeutischen Teams und dennoch selbstbestimmte Profession unseren Teil zur Rehabilitation beitragen

Eine  Anerkennung dieser Professionalität wäre ein Traum, der vielleicht ja mal in Erfüllung geht….

Und jetzt lass ich mir ein Kneipp-Bad ein und koche einen Tee, denn das kann wirklich jeder!

 

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