Wenn man glaubt, man hat alles gesehen!

Die Tage wurde ich auf eine Anzeige eines süddeutschen Trägers aufmerksam gemacht. Als ich die Überschrift der Anzeige las und anschließend die zu bewältigenden Aufgaben, fielen mir meine Zahnprothesen aus dem Mund.

APHoA

Gut, mal davon ausgehend, dass die Überschrift eine Fehleingabe sein könnte, die so gar nicht gewollt sein könnte, gibt es hier die „offizielle“ Anzeige, die aber immer noch Sprengstoff in sich birgt.

APHoA2

Sollte es Euch nicht direkt auffallen, hier die besagte Passage:

Steuerung des bewohner- bzw. kundenbezogenen Pflegeprozesses über Planung und Evaluation der Pflege

Ich, als Fachkraft, lasse mir noch einmal dieses Zitat auf der Zunge zergehen. Denn es handelt sich hierbei um eine Aufgabe, die ab dem 1.1.2020 eine VORBEHALTSAUFGABE für Fachkräfte sein wird. Und Fachkräfte sind für die Unwissenden unter Euch diejenigen, die eine dreijährige Ausbildung erfolgreich mit einem staatlich anerkannten Examen absolviert haben.

Ich erlaube mir jetzt mal, Jörnicorn zu zitieren:

Das wäre als würde man für eine Facharztstelle Medizinerstsemester (bzw welche die das Studium abgebrochen haben) einstellen wollen.
Oder Angelernte statt Volljurist*innen, oder Ähnliches.

Wir brauchen so dringend die Kammer damit das nicht mehr geht.

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Die Pflege, und hier besonders die Altenpflege, gerät in einen Wildwuchs, der kaum noch zu bändigen ist. Manche Arbeitgeber meinen, mit einem Berufsimage werben zu können, das für mich die Grenzen des rechtlichen Anstandes überschreiten.

Diese Art der Ignoranz der fachlichen Aufgaben, wie auch hier und hier gezeigt, scheint bewusst stattzufinden. Nicht nur, um den Beruf der Pflegefachkräfte und hier besonders die des Altenpflegers klein zu halten (aus Gewinnmaximierungsgründen), sondern auch, um so über die Herabsetzung der Zugangsschranken Menschen mit noch mehr minderen intellektuellen Fähigkeiten für den Beruf zu gewinnen. Denn – im Schadensfall ist immer die ausführende Person verantwortlich, denn allein ihr obliegt es, „Nein, das mache ich nicht“ zu sagen. Denn diese Menschen sind nicht in der Lage, auch aus einer Unwissenheit heraus, zu erkennen, wann sie an Selbstüberschätzung leiden und wann nicht.

Diese Anzeigen sind für mich ein ultimativer Grund, weshalb wir Pflegekammern benötigen: Die regeln die beruflichen Aufgaben, kontrollieren und verteilen Credits, die nur über Weiterbildungen erlangt werden können. Sie werden die Organe sein, die unseren Beruf als Pflegefachkraft über eine Berufsordnung schützen und bewahren werden.

Denn jede/r von uns wir alt und irgendwann Hilfe benötigen.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

P.S.: ich bin sogar dafür, dass die Berufsbezeichnung „Altenpfleger/in“ abgeschaft wird. Wegen des Begriffs „Alten-“ in dem Namen, denn er diskriminiert  jeden Menschen mit grauen Haaren und Falten im Gesicht. Und über diese bewusste Diskriminierung wird auch das Berufsbild, das einen fachlich hohen Anspruch hat, mit Füßen getreten. 

Fachkraft für Gerontologie passt meiner Meinung nach besser. Denn nicht jeder „alte Mensch“ muss gepflegt werden. Aber das ist eine Forderung, auf deren Umsetzung ich noch werde lange warten müssen.

 

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