RISG – eine Beleidigung pur!

Wie manche von Euch wissen, arbeite ich inzwischen in der außerklinischen Intensivpflege. Und ja, ich habe die Weiterbildung beinahe hinter mir – es fehlt nur noch das klinische Praktikum, aber da werde ich demnächst zu jemanden Kontakt aufnehmen, der mir von einer lieben Bekannten vermittelt wurde.

Unser genialer Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, hat in seinem wilden Aktionismus wieder mal ein Projekt angestoßen, das – ähnlich wie die bereits versprochenen 13.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege – ein Rohrkrepierer wird. Leider aber nicht mehr zu seiner Amtszeit, sondern in der seines Nachfolgers, der unter dem von Jens Spahn verursachten Chaos leiden wird.

Nun hat Jens Spahn eine neue Aktion gestartet, die er netterweise RISG ( Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetz) nennt. Mit diesem Gesetz möchte er gerne, dass Intensivpatienten besser betreut werden, nach ihren Krankenhausaufenthalten.

Auf der Website des BMG wird Jens Spahn mit folgenden Worten zitiert:

Patientinnen und Patienten, die sich nicht oder nur schlecht wehren können, brauchen unsere besondere Unterstützung. Deshalb wollen wir dafür sorgen, dass medizinische Reha einfacher zugänglich wird und ältere Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen. Und wir wollen die Qualitätsanforderungen für die außerklinische Intensivpflege deutlich erhöhen. Patientinnen und Patienten, die langfristig beatmet werden müssen, sollen bestmöglich versorgt werden. Und es soll alles getan werden, um sie so schnell wie möglich von einer künstlichen Beatmung zu entwöhnen.

Er verschweigt bei dieser Begründung, dass schon jetzt die Krankenkassen ihrerseits entsprechende Qualifikationen über qualifizierte Weiterbildungen des Pflegepersonals einfordern.

Neben vielen katastrophalen Argumenten, auf die ich in weiteren Blogbeiträgen noch eingehen werde, machte mich eine Begründung richtig wütend. Diese Begründung findet man in den FAQs als Antwort auf die erste Frage:

Zweitens wollen wir die Qualität der ambulanten intensivmedizinischen Versorgung deutlich verbessern und damit vorhandenen Missbrauch dort bekämpfen, wo Patienten über 24 Stunden/ sieben Tage die Woche in dubiosen Strukturen für viel Geld schlecht gepflegt werden.

Damit unterstellt er jedem ambulanten intensivmedizinischen Dienst, in dubiose Strukturen verwickelt zu sein. Und diese Anschuldigung ist heftig und erniedrigend.

Klar, in der Vergangenheit flogen russisch geführte Pflegedienste, u.a. in Berlin, auf, die einen massiven Abrechnungsbetrug vorgenommen hatten. Aber aus diesen Einzelfällen auf die Branche und ihre Mitarbeiter, also auch mich, zu schließen, schlägt dem Fass den Boden aus.

Spahn unterstellt uns Mitarbeitern, uns per se über eine nicht existierende Mitwisserschaft strafbar zu machen. Unser Handeln gelte es einzugrenzen. Genau so und nicht anders, verstehe ich die Begründung.

Manche Ärzte betreiben Abrechnungsbetrug und auch manche Apotheker. So einige stationäre Pflegeeinrichtungen auch, in dem sie z.B. keine Höherstufungen vornehmen lassen, weil sie das Personal nicht vorhalten können oder aber sie stufen Bewohner höher, um so höhere Sätze kassieren zu können.

Nur – wird hier in den Fällen mit der gleichen gesetzlichen Keule zugeschlagen?
Die Antwort ist ein klares „NEIN!“

Spahn hat mich nun angefixt. Und das war ein Fehler.

Schon früher hielt ich ihn in diesem Amt als Gesundheitsminister für absolut ungeeignet. Heute aber weiß ich, dass er eine Katastrophe für die Pflege ist – und nur im Sinne der Lobbyisten handelt. Aber dies scheint ihm schnurzepiep egal zu sein. Schade eigentlich, denn irgendwann wird es in Wahlen um seine Position gehen.

Und nun begebe ich mich auf die Quelle eines Rüddel Zitates, in dem es um Kostenersparnis geht, wenn das Gesetz in Kraft geht. Denn, wie schon oben erwähnt, es wird jetzt noch mehr Artikel zu diesem Thema geben.

In diesem Sinne

Eure Frau Sofa

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3 Kommentare

  1. Als Themenbeauftragte für Gesundheit und Pflege der Piratenpartei Deutschland möchte ich noch etwas sehr wichtiges hinzufügen.
    Damit wird gegen das Grundgesetz und UN-Behinderterechtskonfenzion verstossen Die UN BRK wurde von Deutschland ratifiziert und Deutschland würde sich mit diesem Gesetz nicht mehr daran halten. Im Grundgesetz Artikel 3.“ Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Hier wird massiv das eigene Leben, welches schon durch eine Behinderung eingeschränkt ist, noch weiter eingeschränkt.

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  2. Der Artikel ist super verständlich für zunächst Außenstehende. Ich habe als Angehörige von einer betagten Seniorin, die zu Hause lebt und einer Freundin, die chronisch krank ist indirekt mit dem Gesundheitssystem zu tun. Es ist dank der Reformen zunehmend schwierig an Hilfe zu zu kommen. Deshalb bin ich auf den nächsten Artikel gespannt… Herzliche Grüße aus Dortmund

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