Der Deutsche Werberat

Tja, was soll ich sagen?

Vielleicht benötige ich erst einmal ein Zentimetermaßband oder einen Zollstock, um eine Werbeaktion dulden zu können? Um was es geht?

Es geht um diese Art der Werbung eines Münchner Abfluss- und Rohrreinigungsunternehmens:
Abfluss2
Diese Werbung beanstandete ich aufgrund subtilen Sexismuses und Herabwürdigung unseres Berufsstandes beim Deutschen Werberat.

Die Antwort, die mich diesbezüglich vom Deutschen Werberat erreichte, machte mich wirklich sprachlos.

Ich zitiere:

Nach sorgfältiger Überprüfung der Werbemaßnahme haben wir uns gegen eine Beanstandung entschieden. Diese Einschätzung beruht insbesondere darauf, dass die abgebildete Frau aus unserer Sicht nicht herabgewürdigt wird. Der Ausschnitt ihres Dekolletés ist nicht derart tief, dass sie als sexuell verfügbares Objekt wahrgenommen würde. Allein die Tatsache, dass sie als Krankenschwester abgebildet ist, reicht ebenfalls nicht aus, eine Diskriminierung zu begründen, da das Kostüm einen Bezug zu dem Firmennamen „Abfluss-Klinik“ aufweist. Zudem erscheint die abgebildete Frau durchaus selbstbewusst.

(optische Hervorhebung durch mich)

Ich frage mich gerade ernsthaft, ob ich ein Zentimetermaßband oder einen Zollstock zur Hand haben muss, um über die Tiefe eines Ausschnittes einer Werbeaktion beanstanden zu können, ob hier Sexismus vorliegt oder nicht.

Weiter hatte ich beanstandet, dass neben dieser „Schwester“ der Spruch zu lesen ist: „Wir machen Dein Rohr frei!“, was zu einer weiteren Degradierung unseres Berufsstandes führt.

Dazu schreibt der Deutsche Werberat:

Der Slogan „Wir machen Dein Rohr frei“ ist darüber hinaus im wortwörtlichen Sinne zutreffend, da es sich bei der Firma um eine Rohrreinigungsfirma handelt. Sicherlich kann man den Slogan auch mit einer sexuellen Aussage interpretieren, diese drängt sich jedoch nicht zwangsläufig auf, sondern geschieht vielmehr individuell im Kopf des Betrachters. Insbesondere erscheint es nicht so, als würde der Frau der Slogan in den Mund gelegt, da sich der Text stets in der Ecke der jeweiligen Wagenseite befindet, welche auf den Seitenansichten des Autos deutlich von der Frau entfernt ist.

Also meine Quintesenz: Den Deutschen Werberat bei sexistischer Werbung einzuschalten, ist als wenn man Perlen vor die Säue wirft. Und die Reaktion seitens dieser Organisation zeigt, wie nieder dieser Berufsverband unseren Beruf sieht. Und dies im Zeitalter des #Pflegenotstandes.

Deshalb wundern mich die Werbungen um uns nicht mehr. Wenn so ein Denken über unseren Berufsstand in der Werbung besteht…

Und während solche Werbungen vom Deutschen Werberat geduldet werden, werden die sexuellen und körperlichen Übergriffe auf uns nicht aufhören.

Der Fairness halber möchte ich noch einen Abschlusssatz aus der Mail hier zitieren, der es nicht besser macht:

Aus den genannten Gründen halten wir eine Beanstandung der Darstellung im konkreten Kontext durch den Deutschen Werberat noch nicht für angemessen. Gleichwohl danken wir für Ihren Hinweis, der zu einer kritischen Überprüfung der Werbung Anlass gegeben hat.

Den Deutscher Werberat habe ich darüber in einer Re: informiert, dass ich dessen anonyme Antwort bei mir im Blog veröffentlichen werde.

Ganz ehrlich: so eine sexistische und diskriminierte Sch**ße braucht unser Beruf nicht. Denn die unterschwelligen Botschaften, die mit solchen Bildern transportiert werden, führen nicht nur zu weiteren Übergriffen (verbal, sexuell, situativ) sondern auch zu einer (unbewussten) Begründung, weshalb wir finanziell nicht wertgeschätzt werden. Und der Deutsche Werberat trägt sein Schäflein dazu bei. Wohl weil wegen Männerüberschuss….

Und jetzt geh ich mal eben auf’s Klo (aus Gründen)

In diesem Sinne
Eure Frau Sofa

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